Update: 2 Monate nach meinem Berufsausstieg

Seit Ende Juli 2023 bin ich nun aus meinem Beruf ausgestiegen. Etwas über 2 Monate ist das nun her. Heute mal ein kleines Zwischendurch-Update, wie es mir damit geht.

Ich lebe bis März nächsten Jahres von meinen Ersparnissen. Das war die für mich die komfortabelste, unabhängigste und am wenigsten belastendste Lösung. Es geht mir sehr gut damit. Die Rente für langjährig Versicherte habe ich inzwischen beantragt. Natürlich hätte ich durchaus auch noch Interesse daran, weiterhin arbeiten zu gehen, aber nach monatelangem PostCovid ist mir das zu riskant und zu belastend. Es geht mir deutlich besser, aber so fit wie vor meiner Erkrankung bin ich noch nicht. Ob ich mich je wieder ganz und vollständig erholen werde, weiß ich derzeit nicht. Ich habe nur ein Leben und eine Gesundheit, daher werde ich entsprechend sorgsam damit umgehen.

Ziele und Pläne

Irgendwelche Ziele, Bucket-Listen, Weltreisen, Van-Life, aufregende Erlebnisse usw. habe ich nicht in Planung. Ich habe wirklich überhaupt keine Lust an irgendwelchen Abenteuern und Herausforderungen. Ich genieße es derzeit, einfach mal ein wenig in den Tag hinein leben zu können. Alles mal etwas langsamer, gemächlicher tun ist wunderbar. Auch sich mitten in der Woche einfach mal tagsüber mit Anderen treffen zu können ist so klasse.

Ich lasse mir Zeit und schaue, wohin es mich zieht. Spaziergänge und kleinere Wanderungen in der Natur machen mir wieder zunehmend Spaß und werden insbesondere allmählich überhaupt erst wieder möglich. Selbst Ausflüge, Besichtigungen, Museumsbesuche geistern mir durch den Kopf. Dieses Bedürfnis hatte ich jahrelang nicht mehr. Es könnte also sein, ich setze das tatsächlich auch mal um. Da ich das Deutschlandticket nun doch erstmal weiter nutzen werde (endlich als Chipkarte), komme ich ja gut überall hin.

Finanzen

Der Blick auf die Finanzen ist natürlich jetzt besonders wichtig für mich. Ich nutze die Gelegenheit, um nochmal genauer mein Konsumverhalten in den Blick zu nehmen: Womit gehts mir wirklich gut? Interessanterweise habe ich durchaus immer wieder Ideen, dass ich mal dies oder jenes bräuchte. Ich vermeide aus Kostengründen aber möglichst jede Anschaffung. Und siehe da, das meiste Zeug ist unnötig und erledigt sich so von selbst. Nun habe ich auch endlich Zeit, mal wegen ein paar einzusparenden Cents in den nächsten oder übernächsten Supermarkt zu gehen. Zum Teil sind es dann aber nicht nur ein paar Cents. Es ist erstaunlich, wieviel man bei genauem Preisvergleich sparen kann.

Dumbphone

Eine Ausnahme bei den Anschaffungen ist mein Dumbphone. Genau genommen ist es ein sog. Feature-Phone: Ein Tastenhandy mit Internet. Dank LTE (und einem 10 MBits-Unlimited-Tarif für 19,99€) hat sich dieses Handy als eine Art Router wirklich bewährt. Diese Lösung ist etwas umständlich, aber auch im Sinne von Digitaldetox derzeit genau passend.
Als Schwerhörige profitiere ich von VoLTE, der viel besseren Sprachübertragungsqualität dank LTE (gibts auch vergleichbar für WLAN). Die höheren Tonfrequenzen werden besser übertragen. Das bringt mir sehr viel mehr, als irgendwelche Sondertasten und Hörgerätekompatiblitäten (die gelten wohl ohnehin nur für analoge Hörgeräte, die eh kaum noch jemand haben dürfte). Sonstige Onlinefunktionen nutze ich mit dem Dumbphone selbst nicht. Das wäre mir zu umständlich.

Wie es weiter geht?

Wenn ich das wüsste… Ich habe keine Ahnung. Ich lasse mich einfach mal überraschen. Wege entstehen bekanntlich beim Gehen 😉

Ein Weg durch einen Laubwald

 

18 thoughts on “Update: 2 Monate nach meinem Berufsausstieg

  1. Servus,

    schönes Update. Mal ne Frage, wie läuft das mit der Krankenversicherung? Zahlst Du die jetzt selbst? Falls ja, welche Kosten kommen da auf einen zu?

    Gruß
    Andy

    1. Ich bin derzeit freiwillig versichert. Ich zahle z.Z. 220,11€. Die Höhe kann variieren, da die Zusatzbeiträge der einzelnen gesetzlichen Krankenkasse ja immer etwas unterschiedlich sind. Meistens gibt es auf den Webseiten der Krankenkassen auch einen Onlinerechner dazu.
      Die Höhe des Beitrages richtet sich nach dem Einkommen. Hat man kein Einkommen (so wie ich derzeit) gilt die Mindestbemessunggrundlage (Einkommen von 0€ bis 1.131,67€). Alternative wäre Familienversicherung über den Ehepartner oder mindestens Midijob mit z.Z. mindestens 521€.

      1. Servus,

        super danke für die Info. Das klingt ja erstmal gut. Im Prinzip wie bei Selbstständigkeit und freiwilliger gesetzlicher Versicherung.

        Ich hatte hier mal was zum Thema gelesen:
        https://www.getmad.de/vorbereitungen-fuer-die-privatier-phase-ein-erster-erfahrungsbericht/

        Dort hieß es aber, dass im ersten Jahr der Maximalbeitrag fällig wird. Das sind um die 1000 Euro im Monat. Anschließend kann man sich einstufen lassen und dann reduziert sich der Betrag, bzw. bekommt man dann wohl den Überschuss auch erstattet. Soviel Geld müsste man dann ja auch erstmal auf der hohen Kante haben.

        Derzeit stellt sich für mich die Frage nicht, aber gut zu wissen.

        Gruß
        Andy

  2. Freie Zeiteinteilung, Spazieren gehen, gesund werden, Freude am Leben haben. Ich bin ein ganz klein bisschen neidisch, im Sinne von „hätte ich auch gerne“. Alles Gute auf deinem Weg. Solltest du irgendwann voller Tatendrang wieder einer Arbeit nachgehen wollen, so ist das auch bei Rentenbezug möglich. Die Regeln für einen Hinzuverdienst sind seit dem 1. Jan. sehr großzügig. Aber du kannst dann über die Anzahl der Stunden und die Art der Tätigkeit entscheiden.

    1. Die Gefühlslage hatte ich in den zurückliegenden Jahren natürlich auch des öfteren, wenn Andere ausgestiegen sind. Das war durchaus aber auch eine Art „Motor“ oder Motivation für mich. Mein Plan war aber schon, zumindestens bis 63 Jahre weiterzuarbeiten in meinem Beruf (den ich eigentlich trotz Belastung gerne gemacht habe). Die Ersparnisse wollte ich eigentlich während meiner Rente anschließend nutzen. Ok, jetzt ist es halt anders. Ermöglicht letztlich nur durch Minimalismus und damit weniger Konsum. Mein Gehalt war durch meine 40-50%-Stelle im Sozialbereich natürlich überhaupt nicht so, dass man davon Rücklagen bilden kann. Ich habe es trotzdem gemacht.

  3. Hallo Gabi, sehr interessant dein Update zum Berufsausstieg. Das hört sich an, dass Du sehr glücklich bist mit deiner Entscheidung.
    Ich gönn´ es Dir von Herzen.

    Gudrun

  4. Moin Gabi,
    das klingt doch super. Ich freu mich mit dir, dass deine Entscheidung die richtige war.
    Den Tag nehmen wie er kommt und sich einfach treiben lassen, ist toll.
    Jetzt im Herbst sind ja so Museumsbesuche ne feine Sache, da bin ich gespannt was du da so unternehmen wirst.
    Liebe Grüße!

  5. Das Wichtigste überhaupt ist doch das es dir besser geht, auch wenn du noch nicht wieder so fit bist wie vorher. Ich arbeite ja mittlerweile auch nicht mehr und das beste daran ist für mich die freie Zeiteinteilung (wobei ich momentan noch durch meine 92 jährige Mutter etwas eingeschränkt bin). Und es ist doch wirklich auch ein Segen das wir minimalistisch unterwegs sind und nicht ständig irgendwas konsumieren müssen. Einfach zufrieden sein mit dem was wir haben, das ist ist doch wirklich ein Glück, oder !?

    1. Minimalismus ist da wirklich klasse – Zeit statt Krempel. Da wünsche ich die ebf. eine gute, freie Zeiteinteilung. Das ist nach den vielen Jahren wirklich super angenehm.

  6. Bloß nicht sich unter Druck setzen. Manche denken ja „wenn ich in Rente gehe/ im Lotto gewinne/die Kinder ausgezogen/ ich endlich Zeit habe/… dann“ gefolgt von irren Erwartungen.
    Du hast die beste Vorbereitung getroffen, eben dass es bis auf mehr Zeit als vorher genauso weitergeht wie vorher. Der Rest kommt von alleine. Das kann Monate oder Jahre dauern.
    Wer lange gearbeitet hat, kann nicht einfach umschalten. Das ist keine rationale Sache, die man eben so erledigt. ( Ich bin jetzt im 9. Jahr meines Ruhestands, die ersten Jahre waren nicht einfach, neue Sinnfindung und die vergangenen Arbeitsjahrzehnte lasteten schwer. )
    Spazieren gehen, sich dabei etwas anschauen oder nur ins Grüne schauen ist eine gute Sache.

    1. Du bringst es auf den Punkt. Es braucht wirklich Zeit, bis man nach jahrzehntelanger Arbeit umgeschaltet hat. Ich habe zwar schon länger in Teilzeit gearbeitet, aber zeitlich sehr flexibel, mal sehr früh, mal relativ spät. Gleichmäßigkeit war da nie, Ruhe selten. 45 Jahre kann man nicht mal eben abschütteln. Das dauert.

  7. Das „in den Tag hineinleben“ tut dem Geist auch mal gut. Dann kommen die Ideen ganz von selbst wieder und die Abenteuerlust ebenso. Es muss ja auch nicht immer die ganz große Reise sein. Wir vergessen gerne, wie schön es direkt in der nahen Umgebung eigentlich sein kann.
    Ich finde es beneidenswert, wenn man sich mal einfach ohne Pläne treiben lassen kann, wohin der Weg einen dann führt, bzw. wo immer auch ein Weg entsteht.

    1. Ich bin auch wirklich froh, dass ich mir diese Gelegenheit mal ohne ständige Pläne und Termine zu sein, jetzt endlich verwirklichen kann. Den Wunsch danach hatte ich natürlich auch schon sehr lange. Mir bedeutet das sehr viel mehr, als all der Konsumkrempel oder teure Reisen um die Welt.

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