Geplante Obsoleszenz, Staubsauger und Teppichdackel

Staubsauger kaputt

Es war irgendwann am letzten Wochenende, ich war am Staubsaugen, als es urplötzlich still wurde. Der Staubsauger sagte von einer auf die andere Sekunde keinen Piep mehr, dafür war das Gehäuse sehr heiß – kurz: der Staubsauger war hin. Mit seinem Ableben rechne ich eigentlich schon seit längerem. Da der Staubsauger bereits mehrere abgebrochene Ecken hatte, die ich teilweise einfach mit Klebeband notdürftig repariert hatte und der Stecker bei genauem Betrachten jetzt auch nicht mehr der beste war, war mir klar: Ok, das war es.
Diesen nun defekten Staubsauger kaufte ich irgendwann Anfang bis Mitte der 90er Jahre. Er dürfte mich also rund 25 Jahre begleitet haben.  Ein stolzes Alter für heutige Verhältnisse, denn heute ist die geplante Obsoleszenz allgegenwärtig.

In den 90ern bin ich einfach in ein Geschäft gegangen, habe den Staubsauger gekauft und fertig. Heute fange ich erstmal an zu recherchieren, Testberichte zu studieren und mir stundenlange Gedanken zu machen, während mir gleichzeitig klar wird: Einfach so einen Staubsauger zu finden, der nochmal ca. 25 Jahre hält und mein Budget nicht komplett sprengt, dürfte schwierig werden.

Gesucht habe ich natürlich trotzdem. Eigentlich ging es mir dabei vorrangig um meinen Sisalteppich von 2,8 Quadratmetern.

Schlechte Testergebnisse

Vielleicht reicht da ja auch ein Hand- oder Akkustaubsauger? Die Testergebnisse holten mich schnell in die Realität zurück. Gerade diese Geräte waren überwiegend mit mangelhaft bewertet. Das einzige mit 2,7 benotete Produkt kostete über 400€, war nicht standsicher (wie lange hält dieser Sauger dann wohl….) und brauchte ewig zum Aufladen. Bodenstaubsauger waren insgesamt besser bewertet, aber gerade bei der Staubaufnahme auf Teppichböden auch nicht so prickelnd, wie ich das als Hausstaub-Allergikerin  eigentlich angenommen hatte. Und: Wie lange werden diese Geräte dann wohl halten? Jede Herstellerfirma wird geplante Obsoleszenz wohl verneinen wollen, es gibt sie aber trotzdem. Nicht nur bei Staubsaugern, sondern bei vielen Geräten. Bei mir waren es Kaffeemaschinen, Handys, Waschmaschine, der teure Apfelcomputer und all solche Dinge, die halt nicht mehr so lange halten wie früher. Die Eistürklappe meines Kühlschrankes ging schon nach einem knappen halben Jahr zu Bruch und ich kämpfte rund ein Vierteljahr bis ich kostenlosen Ersatz bekam.

Stromfreie Alternative

Ich war nach der Recherche genervt und überlegte, was ich nun machen kann, als mir zu Bewusstsein kam, dass ich da ja noch ein anderes Gerät habe – irgendwann zwischen Mitte und Ende der 80er-Jahre gekauft, also mindestens 30 Jahre alt und top funktionsfähig, sowie komplett stromfrei: Meinen Teppichkehrer, umgangssprachlich auch Teppichdackel genannt:

Dieses alte Gerät scheint ganz nebenbei offensichtlich auch noch deutlich stabiler zu sein, als die Vollplastik-Teppichkehrer, die ich der Neugierde halber im Internet gefunden habe. Ich nutze meinen Teppichkehrer bzw. Teppichdackel üblicherweise für die Schmutzfangmatte im Flur. Die muss einfach häufiger gereinigt werden und ist damit ruckzuck sauber.

Wieviel Schmutz nimmt der Teppichkehrer wohl bei einem Sisalteppich auf? Ob das funktioniert? Ich habe es getestet: 1 1/2 Tage nach dem letzten Saugen nutzte ich einfach den Teppichkehrer für meinen Teppich und war erstaunt, wieviel Schmutz ich vom Teppich aufgekehrt hatte, obwohl ich kaum Zuhause gewesen bin und weder Hund noch Katze habe.

Ein Blick in den Schmutz-Auffangbehälter: HIer ist aber nur die eine Hälfte des aufgekehrten Teppichdrecks zu sehen

 

Der Teppichdackel funktioniert also durchaus als Alternative, wie wunderbar. Da kann ich mir jetzt Zeit lassen. Wenn ich nun doch nicht mal eben schnell einen neuen Staubsauger kaufe, dann hat es in diesem Fall nicht einmal wirklich etwas mit Minimalismus zu tun. Freiwillig verzichte ich nämlich nicht auf einen Staubsauger, überflüssig finde ich ein solches Gerät auch nicht und bequem ist er ebenfalls. Ob ich nun ein Ding mehr oder weniger in der Wohnung stehen habe, ist mir ohnehin egal. Ich habe nur einfach keine Lust, mir unnötige und möglicherweise vorzeitig defekte Geräte zu kaufen. Diese Art von Konsum mag ich einfach nicht. Vorerst gehts auch prima mit Teppichdackel und so lange muss ich mich dann auch nicht über geplante Obsoleszenz ärgern.

Dinge, die ich nicht besitze, gehen auch nicht kaputt

Generell denke ich inzwischen, dass die technische Geräte, die ich nicht besitze, schon mal nicht kaputt gehen können. Kaffee- oder Küchenmaschine, teurer Apfelcomputer, Fernsehgerät, Stereoanlage finden daher keinen Weg mehr in meine Wohnung. Beim Staubsauger bin ich da noch nicht so sicher. Ich lasse mir einfach mal Zeit und schaue, was diese Zeit so mit sich bringt. 2,8 Quadratmeter Teppich sind kein Grund, mich mit evtl. schlechten Produkten zu quälen und mir Sorgen um die Haltbarkeit von Staubsaugern zu machen – schon gar nicht, mich darüber zu ärgern.
Staubsauger: Ja oder nein? Oder notfalls: Teppich raus, dann bräuchte ich ohnehin keinen Staubsauger? Funktioniert es vielleicht auch längerfristig mit meinem Teppichkehrer? Mal sehen, wie es sich entwickeln wird.

Ergänzende Infos zum Thema geplante Obsoleszenz:

Geplante Obsoleszenz: 17 Tipps gegen den gewollten Verschleiss

Mit der geplanten Haltbarkeit und Nutzungszeit von Apple-Produkten geht Apple immerhin sehr offen um: 4 Jahre MacOS und TvOS, 3 Jahre bei iphone und ipad. Siehe: https://www.apple.com/environment/answers/

 

14 thoughts on “Geplante Obsoleszenz, Staubsauger und Teppichdackel

  1. So, angeregt durch Gabi und ältere Erfahrungen mit einem solchen Gerät bin ich nun auch stolzer Besitzer. Meine Frau sagt: was regelmäßig benutzt wird, das kann auch angeschafft bzw. behalten werden. Es widerspricht nicht dem Minimalismusgedanken.

    Wir haben mehrere Etagen. Im Erdgeschoss kommt Dreck von draußen, Krümel in Küche und Wohnzimmer . Da gibt es zum Glück keinen Teppich. Der Staubsauger ist im 1.Stock und es ist immer mühsam ihn wegen ein paar Kleinigkeiten runterzuwuchten. Man will ja nicht immer gleich alles durchsaugen. Der Teppichdackel ist so klasse. Wir haben einen Platz für ihn unten gefunden. Wenn nun an einer Stelle etwas auffällt wird der Dackel genommen und man fährt eine Runde, so lange wie man Lust hat oder die Optik, was den Dreck geht nicht ausreichend ist. Dieser aufgesammelte Dreck landet dann nicht im Staubsauger, auch ein Vorteil.

    Da sowieso regelmäßig durchgesaugt wird (aber eben nicht sofort, bzw. zwanghaft jeden Tag), ist gesichert, dass auch die Dinge in den Ecken und Ritzen regelmäßig erfasst werden.

    Es gibt auch noch einen alten Staubsaugerroboter, der nach dem Nachlassen des aktuellen Akkupacks aussortiert werden wird. Pflege und Unterhalt (Reinigung nur durch Aufschrauben mit Schraubendreher, Ausklopfen, Auswaschen von Filtern ….) zu aufwändig und teuer. Neuere Modell mögen besser sein. Und ich mag es nicht mehr , dass er einen halben Qudaratmeter wegnimmt und die Bodenpflege erschwert. (Roboter, Ladestation mit Absaugvorrichtung von Ecovacs).

    Gabis Wohnräume sehen auf den Fotos auch so schön groß aus, weil nicht so viel Krempel auf dem Boden rumsteht.

    1. Was du von dem Staubsauger-Roboter beschreibst, scheint mir ein wenig typisch zu sein. Selbst wenn neuere Modelle einfacher zu bedienen sein mögen, muss man die Technik halt pflegen. Dann kosten die Geräte ein x-faches, wofür man erstmal arbeiten und Geld verdienen muss. Und Strom verbrauchen sie auch – das Geld dafür muss ebenso erstmal reinbekommen. Ist vielleicht so ähnlich wie Küchenmaschinen oder Spülmaschine für den Single-Haushalt. Ist nett, erscheint bequem – aber letztlich investiert man doch auch Zeit und Geld. Die Frage, ob sich das lohnt, ist sicher für jeden anders zu beantworten. Ich bin da bequem und erspare mir den Zeit- und Geldaufwand zunehmend gerne. Und weil ich bequem bin, steht schon alleine deshalb nur begrenzt was bei mir rum – sonst müsste ich nämlich das Zeugs auch sauber machen und beim Putzen an die Seite räumen 😉

      1. Gabi, es ist typisch. Die Dinger sollen nur 2 bis 3 Jahre halten, wie Handies. Dann sollen wir sie bitte durch ein neues Modell ersetzen. Ich weigere mich ein Gerät als reinen Verbrauchsgegensatand zu sehen, nur weil Unternehmen durch unseren Konsum existieren. Der Teppichdackel wird sich bei den Borsten auch abnutzen, aber ein paar Jahre länger sollte er locker halten.

        1. Mein Teppichdackel hält jetzt seit ca. 30 Jahren – in der Zeit hätte man entsprechend der gesetzlichen Gewährleistung als 30 Staubsauger oder Saugroboter durch 😉

          1. Hallo Gabi,
            nachdem der Staubsaugerroboter trotz neuen Akkus anscheinend komplett den Geist aufgegeben hat habe ich die Konsequenzen gezogen und das Teil abgebaut. Stecker gezogen und aus die Maus.Da steht nun der Teppichdackel, er kann jederzeit in die Kammer.
            Ich würde ja gerne sagen „ein Gerät weniger“, aber es stimmt nicht. Nur ausgetauscht, gegen eines ohne Stromanschluss und Folgekosten (Akkus, Strom).

            https://abload.de/img/20190310_14255571k9y.jpg

          2. Na der Akku geht beim Teppichdackel dann schonmal nicht mehr kaputt 😉 Und in diesem Fall dann: nicht weniger, aber dafür besser. Sieht schick aus euer neues Putztier

  2. Hallo Gabi,

    ich mag Staubsauger schon allein der Geräuschbelastung wegen nicht. Dann doch lieber der gute, alte Besen. Teppiche habe ich deshalb auch schon gar keine mehr. Deren einziger Zweck ist eigentlich die Vermeidung von Hall in Räumen. Sonst fangen sie nur Staub.

    In Israel gibt es für Kurzhaarteppiche übrigens Besen mit Gummiborsten. Die gehen auch hervorragend.

    Lieber Gruß
    Philipp

    1. Hallo Philipp, genau um diesen elendigen Hall geht es. Der Teppich macht es da schon deutlich angenehmer. Der Besen mit Gummiborsten ist auch eine klasse Idee – habe so ein Ding schon mal gesehen, da wirbelt der Staub auch nicht so auf, wie bei einem „normalen“ Besen. Ich nehme an, die Leute in Israel sind dann auch nicht unter irgendeiner ominösen Staubbelastung zusammengebrochen 😉

  3. Hallo Gabi,
    bin hin-und hergerissen und habe keinen wirklichen Standpunkt.
    Bräuchte man den Dackel, wenn der Teppich nicht da wäre, dan würde wischen ausreichen. Kann der Dackel überhaupt den Feinstaub aus dem Teppich rausholen oder muss man den irgendwo so wie früher ausklopfen oder lebt man einfach damit.

    Wir selbst haben Paket, Fliesen und Teppich. Einen (Wasch)sauger von Th*mas, bei dem ich schon mal den Schlauch nachbestellen konnte, immerhin gibt es da Ersatzteile. Bei einem kaputten Motor hilt das sicher auch nicht. Es hat alles seine Lebensdauer und aus die Maus. Wir haben – oh oh – auch noch einen Saugroboter aus der Zeit, in der ich ‚aufgrüstet‘ hatte. Der braucht viel Zuwendung, die Akkus halten maximal ein Jahr, man muss ihn mit dem Schraubendreher von Zeit zu Zeit aufmachen und die Bürstenwalze reinigen. Und man muss viel wegräumen, damit er es nicht umfährt, z.b das Katzenfutter Es ist nicht das Neuste Modell. Ich bin mir sicher : wenn das nächste Akkupack versagt, dann wird das Teil ins Recycling gegeben. Man braucht in jedem Fall noch zusätzlich einen Staubsauger und das scheint mir nicht sinnvoll zu sein.

    1. Hallo Thorsten, mir geht es auch so, dass ich noch etwas unschlüssig bin. Denn auch bei den Staubsaugern, die die Testnote „gut“ hatten, war es nur die Leistungsklasse C bei „Saugen auf Teppich“ – aber sie seien wirklich stark bei glatten Fußböden. Na Mahlzeit, da brauche ich keinen Sauger. Mein Teppich ist ja nicht groß, der lässt sich in der Tat auch mal ausklopfen, aber ich verlasse mich einfach auf meine Allergiker-Nase: Ist die zu, gehts halt nicht und dann muss ich halt doch so einen Staubsaugerdings kaufen. Aber bislang ist es mit Teppichdackel eher besser, der wirbelt nämlich nichts auf und ehrlich: lieber irgendeinen kleinen Fitzelstaubrest im Teppich, als das Staubzeugs vom Aufwirbeln des Staubsaugers in der Nase. Das ist zwar mit den HEPA-Filtern deutlich besser, aber immer noch ein Problem. Zumindestens bei mir.

      1. Das ist gut nachvollziehbar. Und der Dackel fährt ja mal eben auch schnell, wo man was hingekrümelt hat. Auch ein Vorteil – ohne Strom, da ist die Hemmschwelle geringer denke ich.

        Ein anderes Thema : ich habe mich von meinem Musikintrument getrennt, ich weiß nicht, wo ich das hier unterbringen soll, deshalb warte ich mit den Details bis so ein Thema kommt wie „Trennung von alten Gewohnheiten und Hobbies“ „Jedes Hobby hat seine Zeit“ „Trennungsschmerz bei Dingen“ oder so.

  4. So einen Dackel kannte ich gar nicht – gibts noch bei Manufactum, hab grade nachgeschaut. Geht der auch auf glattem Parkett oder nur auf Teppich? Ich hasse Staubsauger, das wär mal ne echte Alternative.

    1. Hallo Steffi, tatsächlich – der Teppichkehrer scheint ja auch wirklich deutlich stabiler zu sein. Auf glatten Böden finde ich den Teppichkehrer eher mäßig. D.h., dort funktioniert er so leidlich und ist dafür nicht wirklich zu empfehlen. Für glatte Böden habe ich eine relativ simple Methode: Schrubber und Mikrofasertuch. Das Mikrofasertuch habe ich eigentlich als Aufnehmer zum Wischen und mal gekauft, als mir die klassischen Aufnehmer (oder was ich dafür gehalten habe) reihenweise kaputt gingen (da gibts wohl auch eine geplante Obsoleszenz – oh nerv…) Mit diesem Mikrofaserdings kann man auch einfach mal zwischendurch kurz trocken oder leicht feucht durch die Wohnung „fegen“. Geht sehr schnell, nimmt den Staub super gut auf und wirbelt ihn insbesondere nicht auf. Ich bin eigentlich aus Umweltgründen kein Fan von diesen Mikrofasersachen, aber es ist nach vielem Ausprobieren halt das, was dann endlich mal funktioniert hat.

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