Konsumrausch

Es ist erst einige Wochen her, als uns die diesjährige, lange Dürreperiode, den Klimawandel bedrückend erfahrbar werden ließ. Inzwischen ist es kühler und regnerischer geworden und die vom besonderen Konsumrausch geprägten Wochen stehen vor uns.

Atemlose Weihnachtszeit

Schon seit Jahrzehnten empfinde ich diese Zeit vor Weihnachten atemlos. Hektik, Lautstärke und Anspannung nehmen mit jeder Woche zu. Weihnachtskekse liegen schon seit Wochen in den Regalen. Der merkwürdige Gruselspaß zu Halloween ist gerade überstanden, da werden Laternen gebastelt und Martinsbrezel gekauft. Zu Nikolaus beschränken wir uns schon lange nicht mehr auf „Apfel, Nuss und Mandelkern“. Kann ich dann zu Weihnachten irgendwie noch verstehen, wenn Kinder beschenkt werden, so ist es mir völlig schleierhaft, warum Erwachsene untereinander so oft keine Alternative zum Schenken von Dingen finden können. Warum so viel? Es gibt doch so viele Wege, sich gegenseitig etwas Gutes zu tun.

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Liegt Weihnachten hinter uns, kümmern wir uns um die Vorbereitungen zur Silvesterfeier und im Neuen Jahr können wir uns dann mal irgendeinen guten Vorsatz fürs Neue Jahr vornehmen. Meistens tauchen dann in den Regalen der Geschäfte irgendwelche Fitnessdinge auf, die wir kaufen sollen, um die weihnachtliche Völlerei wieder abzutrainieren.

Wenn sich der Rausch in Streits entlädt

Konsumrausch – das sind die vielen unsinnigen Dinge, mit denen wir uns die Wohnung vollrümpeln. Konsumrausch ist aber auch die ständige Hetzerei von einer Feier zur nächsten. Berauscht sein auch von den Anspannungen und Vorbereitungen aufs weihnachtliche Fest. Je mehr wir uns hineinsteigern, um so größer ist die Gefahr, dass sich die anfängliche Vorfreude in hohe Anspannung umwandelt und sich irgendwann in handfesten Streits entlädt. Trotzdem lenken wir uns ab, berauschen wir uns. Doch ein Rausch ist schnell vorbei, was irgendwann folgt, ist die Ernüchterung.

Innehalten

Es mag etwas altbacken klingen, die Wochen bis Weihnachten zum Innehalten zu nutzen, aber ist es nicht das, was wir wirklich brauchen? Einfach mal einige vorweihnachtliche Termine streichen (man muss ja wirklich nicht auf jeder Advent- und Weihnachtsfeier anwesend sein), den weihnachtlichen Konsum- und Geschenkewahnsinn reduzieren., sich Zeit nehmen. Vielleicht mal MIT den Kindern spielen, anstatt nur die Kinderzimmer mit Zeugs vollzurümpeln. Zur Ruhe kommen und auch mal schauen, welches Geschenk wir unserer geschundenen Umwelt machen können: Das Auto stehen lassen, Plastikmüll reduzieren, Fast-Fashion ablehnen, einen Bogen um die Coffee-to-go-Becher machen, nicht noch mehr Elektronikschrott produzieren und vieles mehr. Sich selbst, den Mitmenschen und der Umwelt etwas Gutes tun, dafür brauchen wir keinen Konsumrausch. Innehalten, Alternativen finden, unnötigen Stress und Geschenkballast reduzieren- auch das ist praktizierte Achtsamkeit und sinnvoller Minimalismus.

 

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Abschließend angemerkt, habe ich mich 1986 von dieser weihnachtlichen Geschenke-Orgie verabschiedet. Das Patenkind bekam noch etwas, alle anderen nicht. Ein Jahr vorher angekündigt, gab es natürlich (erwachsene) Menschen, die davon überhaupt nicht begeistert waren, aber sie haben es alle überlebt und ich habe in den zurückliegenden 32 Jahren wirklich nichts vermisst.

8 thoughts on “Konsumrausch

  1. Ich werde dieses Jahr die Adventkalender für die Kids selbst bestücken, früher fehlte die Zeit und Muße dazu. Das ist ein echter Luxus, ich habe ja jetzt mehr Zeit als früher.

  2. Hallo Gabi,

    ich hatte meiner Tochter vor einem Jahr ein Starterpaket á la Gabi Raeggel gemacht. Für die erste Wohnung in der neuen Stadt. Was man so braucht in den ersten Tagen. Von der Briefmarke bis zum Schokoriegel. Das fand sie so toll, dass sie wieder eins will zu Weihnachten. Fürs zweite Jahr. Wenn es sonst nichts ist. Ich feiere das Konsumfest ja auch schon viele Jahre nicht. Mir fehlt es nicht.

    Liebe Grüße,
    Tanja

  3. Liebe Gabi,
    ich habe Deinen Blog vor kurzem erst entdeckt, aber Du sprichst mir mit den meisten Beiträgen aus der Seele. Bei uns werden auch nur noch die Patenkinder mit einem (!) Geschenk beschenkt und mein kleiner Neffe bekommt auch noch was. Wir Erwachsenen haben die Geschenke schon vor vielen Jahren gestrichen, was die Adventszeit sehr viel entspannter sein lässt. Kekse backe ich zuhause selbst, und auch das erst ab dem 1. Advent. Lebkuchen, Marzipan und Co., die ab August in den Geschäften liegen, ignorieren wir völlig. Was gibt es Schöneres als ein gemütlicher Adventssonntag vor dem Ofen, mit selbstgebackenen Nussecken, Tee und entspannter Musik?! Oder auch dick eingemummt draußen vorm Lagerfeuer mit Glühwein?! Während ich das hier so schreibe, merke ich, dass mein Mann und ich das schon ganz gut beherrschen mit der besinnlichen Adventszeit 🙂 Ich wünsche Dir einen entspannten Sonntag! Liebe Grüße, Sanne

  4. Hallo, Gabi,
    wie recht du hast. Jedes Jahr das gleiche Spiel. Das viele Leute sicher unglücklich macht. Wegen des Stresses, der Streits, der immensen Geldausgaben. Der Geschenke, die auch keinen glücklich machen.
    Weihnachten haben mein Mann und ich immer weiter reduziert, von nur Verbrauchsartikel schenken lassen über nichts schenken bis kein Weihnachten mehr feiern. Wir sind nicht religiös, was feiern wir also eigentlich?! Mit Menschen, die einem viel bedeuten, zusammen sein ist wichtig, dafür nehmen wir uns das ganze Jahr über Zeit.
    Was mir ganz persönlich jedes Jahr wieder fehlt, ist die Besinnlichkeit zur Weihnachtszeit. Zwar renne ich nicht herum, um Geschenke zu finden. Trotzdem will ich zum Ende des Jahres bestimmte Dinge abschließen, was Zeit in Anspruch nimmt, die zur Einkehr fehlt. Dieses Jahr werde ich es schaffen! Denn schon im Laufe des Jahres habe ich Tätigkeiten reduziert, und der Dezember ist bis auf Arbeit und Urlaub völlig terminfrei und bleibt es auch.
    Sehr schön finde ich deine Anregung, unserer Umwelt ein Geschenk zu machen. Dafür Zeit aufzuwenden, lohnt sich wirklich! Danke dafür.
    Liebe Grüße,
    Aeris

    1. Hallo Aeris, ja es ist wirklich jedes Jahr das gleiche Spiel und was mich daran stört, ist, dass es oft so fremdbestimmt ist. Daher freut es mich, dass ihr euren eigenen Weg gefunden habt.

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