8 Gründe für einen minimalistischen Lebensstil

Vorab gesagt: Ich meine mit Minimalismus die Vereinfachung des persönlichen Lebensstils. Weniger Ballast, weniger Stress, mehr Zeit, mehr Lebensqualität.

Was ich nicht meine ist: Ein bestimmtes Design, minimalistischer Schick, ein Trend, eine ganz bestimmte Anzahl von Dingen, der perfekte Lifestyle. Sowas interessiert mich nicht.

Nun aber zu den 8 Gründen, die mir für einen minimalistischen Lebensstil wichtig sind:

1. Weniger Kosten, mehr Zeit

Mein Ausgangspunkt war der Wunsch, Belastungen zu reduzieren und mehr freie Zeit zu haben. Die ganz pragmatische Überlegung:

Weniger Kosten = weniger Arbeiten = mehr Zeit.

Der größte Kostenfaktor war damals mein Auto, im Durchschnitt kostete es mich rund 350€ (einschl. verrechneter Anschaffungskosten). Ein weiterer finanzieller Posten waren die recht hohen Fahrtkosten zum weit entfernten Arbeitsplatz. Vorsichtig gerechnet waren das mind. 150€. In der Folgezeit habe ich das Auto abgeschafft, den Arbeitsplatz gewechselt, eine kleine Wohnung in Nähe von Arbeitsplatz und gut ausgebautem ÖPNV gesucht. Angesichts der aktuell gestiegenen Gaspreise bin ich wirklich froh, nur eine kleine Wohnung beheizen zu müssen. Schon seit längerem habe ich nun meine Arbeitszeit reduziert, die langen Fahrwege liegen zum Glück viele Jahre zurück. Ich habe keine Fahrten zum TÜV, ich brauche keine Autowerkstatt, keine Tankstelle, keine Waschanlage. Die meisten Wege erledige ich heute zu Fuß – phantastisch!

2. Selbstbestimmung statt Konsumfallen

Der wesentliche zweite Punkt: Irgendwann fiel mir auf, wie schnell auch ich in eine der vielen Konsumfallen tappen kann: Kaffee hier, das angeblich bessere Computerzubehör dort… Aber oft waren das nur erste Kaufimpulse. Wollte ich das alles wirklich? Tat es mir gut? Genau genommen überhaupt nicht. Mir mehr Zeit lassen, so zu besser Selbstbestimmung finden und die Frage, was ich wirklich brauche und was mir gut tut – das wurde mir immer wichtiger.

3. Stressreduzierung

Sich weniger um Dinge kümmern zu müssen, senkt den Stresspegel. Allein, wieviele Dinge ich nicht mehr suchen, wegräumen, abstauben oder irgendwann mühsam entsorgen muss – genial sowas. Keine Rennerei durch hektische Kaufhäuser, kein stundenlanges Durchstöbern von Onlineshops, kein Lesen von tausenden Testberichten. Da lege ich in dieser Zeit lieber die Füße hoch und genieße das Leben.

4. Weniger Murks

Die Qualität vieler Dinge hat sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert. Ich bin in den 80er-Jahren im Traum nicht auf die Idee gekommen, stundenlang Test- und Erfahrungsberichte zu lesen, bevor ich einen Fernseher, eine Kaffeemaschine oder ein Radio gekauft habe. Heute ist das komplett anders. Heute sage ich mir, dass ich Dinge, die ich nicht besitze, auch nicht kaputt gehen. Da muss ich mich um Auswahl, Kauf, ggf. Reparatur, Entsorgung und Ersatz keinerlei Gedanken mehr machen –  wunderbar!

5. Reizreduzierung

Ich gehöre zu den Menschen, die mit einer hohen Sensibilität durchs Leben gehen. Von visuellen, akustischen und/oder taktile Reizen bin ich schnell überflutet und brauche entsprechend Zeit und Raum zum „runter kommen.“ Aus diesem Grund ertrage ich es auch nicht gut, wenn im eigenen Zuhause viel rum steht. Nebenbei Gedudel aus TV oder Radio macht mich kirre. Minimalismus hilft mir sehr gut, solche Reize zu reduzieren. Ruhe für Auge und Ohr, freie Flächen, wenig Ablenkungen sind eine Wohltat für mich und pure Erholung.

6. Umwelt

Es soll ja immer noch Menschen geben, die den Klimawandel leugnen und die Bilder von den vermüllten Seen, Meeren und Landschaften für übertrieben halten. Fakt ist trotzdem, dass wir eine unglaubliche Menge an Müll produzieren, Energie verschwenden und damit das Klima schädigen. Dinge wegzulassen, die ich genau genommen eh nicht mag, ist ein praktikabler Weg zu weniger Müll. Ich werde weder ein TV-Gerät, noch Kaffeevollautomat, Küchenmaschine oder elektronische Spielgeräte entsorgen müssen – sowas besitze ich erst gar nicht.

7. Lieber Experimente als Wohnstandards

Wenn es ums Wohnen geht, experimentiere ich lieber ausgiebig herum, als das ich mich auf irgendwelche Wohnstandards verlasse, die mir nicht gut tun und die ich nicht brauche. Wenn ich mich beispielsweise auf das einlassen würde, was unsere Möbelhäuser so als Standardmöblierung zeigen, müsste meine Wohnung deutlich größer sein. Miete, Energie und Nebenkosten wäre entsprechend höher und mehr Putzaufwand hätte ich auch. Nein Danke! Da hinterfrage ich solche Standards doch lieber und experimentiere so lange, bis ich eigene Lösungen gefunden habe und es gut für mich passt.

8. Interessante Begegnungen und Austausch

Der Austausch und die Begegnung mit anderen, minimalistisch interessierten Menschen ist immer wieder anregend und inspirierend für mich. Jede/r hat seine eigene Geschichte, jede/r setzt Minimalismus etwas anders um. Das ist spannend, interessant und nicht selten geht es weit über die vordergründigen Dinge hinaus zu dem, was man selbst im Leben will oder eben nicht mehr will.

Soviel zu meinen Gründen, weshalb ich mich für Minimalismus interessiere. Sicherlich gibts noch viel mehr Gründe. Wie ist das denn bei euch? Was ist euch im Zusammenhang mit Minimalismus wichtig?

 

Überdachter Balkon mit Balkonstuhl und Blick in einen Innenhof mit großen Bäumen
Foto © Vera Dohmann

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20 thoughts on “8 Gründe für einen minimalistischen Lebensstil

  1. Für mich ist Minimalismus auch Sich-Selbst-Bewusstwerdung. Je knapper der Besitz, desto prägnanter die Umrisse des Besitzers.
    Mit jedem Gegenstand, der geht, verabschiede ich mich auch von einer Version meiner Selbst, eine Häutung sozusagen. Das Brautkleid verabschiedet sich mit der gescheiterten Ehe, die Bücher für’s Studium, das ich mir dann doch nicht leisten konnte, verabschieden den Lebensentwurf „Akademiker“, die Acrylfarben gehen mit dem Eingeständnis, doch keine aufstrebende Künstlerin zu sein. Dafür muss man aber auch innerlich bereit sein. Es hat fast 5 Jahre und 3 Umzüge gebraucht, das Brautkleid gehen lassen zu können.

    1. Was ich an Minimalismus auch so liebe, ist die zwangsläufige Kreativität, die damit einhergeht. Wie kann ich meine Bedürfnisse durch schon vorhandene Dinge stillen? Geht’s noch einfacher? Geht es noch multifunktionaler? So kam ich z.B. auf die Idee, mir aus Leitz-Ordnern (Archiv, muss ich eh nie ran) und Brettern ein erstaunlich stabiles Kleiderregal zu bauen.

      Aber ich muss auch zugeben, dass ich erst durch die Trennung und der Umzugsschlepperei zum Minimalismus kam. Daher mein Tipp Nummer 1: Ausziehen und den ganzen Kram einfach beim Ex lassen :-DDD

      1. Das Ordnerarchiv als Mobiliar zu nutzen, das ist ja echt eine ungewöhnliche und praktische Idee. Ein gutes Beispiel, wie die frei gewordene Energie durch weniger Kram, den Kopf für neue Lösungen frei macht.
        Bei den meisten Leuten ist es im Falle eine Trennung ja eher ein ziemlicher Kampf um die Dinge (… will ich aber haben…). Ja klar,das kann man natürlich auch ganz anders, nämlich minimalistisch lösen. 😉

  2. Für mich bedeutet Minimalismus auch: Leben im Jetzt. Gegenstände, die in der Vergangenheit ihren Nutzen hatten, aber jetzt nur noch ungenutzt rumliegen, binden einen Teil der Lebensenergie, weil man sich in irgendeiner Weise darum kümmern muss, ohne dass sie etwas zurückgeben. Da ist es besser die ungenutzten Dinge an andere weiterzugeben, die aus ihnen Freude und Nutzen ziehen können.
    Viele kennen das von Musikinstrumenten, die schon lange nicht mehr gespielt wurden. Sobald sie verkauft oder verschenkt sind, erfolgt eine riesige Erleichterung. Die Last, dass man ja eigentlich mal wieder spielen müsste, obwohl man schon lange keine Freude mehr daran hat, fällt von einem ab und damit wird Energie frei für das jetzige Leben.

    1. An das Loslassen von Musikinstrumenten kann ich mich auch noch gut erinnern. Es hatte mal richtig viel Spaß gemacht. Irgendwann war es dann nur noch elendiges Abstauben.

  3. Hallo Gabi! Mein Favorit: Weniger Murks – in jeglicher Hinsicht. Vor allem im Bereicht Bürokratie und Zeitmanagement. Es wird so viel komplizierter Hickhack praktiziert… dabei kann es so viel smarter und einfacher laufen.

    Liebe Grüße!

    1. Oh weniger Bürokratie – insb. im beruflichen Bereich: Ja, gerne und sofort. Leider ist es bei uns umgekehrt: Immer nochmal mehr bürokratisches Zeugs. Horror. Komplizierter Hickhack – das ist wunderbar auf den Punkt gebracht.

  4. Wow, tolles Bild. 🙂

    So etwas ist auch mein Traum. Eine Wohnung, die ich vom Halbtagsgehalt bezahlen kann, die so gelegen ist, dass mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurecht komme. Und dann auch noch mit Balkon und Blick aufs Grüne. Wow.

    Ich bin momentan echt im Zwiespalt zwischen loswerden und kaufen. Ich vermisse Natur so, dass ich mir wieder Pflanzen gekauft habe, obwohl ich doch nichts neues kaufen will. *seufz*

    1. Die Natur direkt fußläufig um die Ecke vermisse ich auch. Wie man auf dem Foto auch sieht: Wir haben immerhin einen traumhaften Innenhof mit schönen, alten Linden, aber zum nächsten Wald sind es mind. 3 U-Bahnhaltestellen. An der Lösung Teilzeit, ÖPVN etc. habe ich auch mehrere Jahre gebastelt, bis es endlich gepasst hat. Dazu habe ich nahezu jeden Konsumklimbim auf den Prüfstand gestellt.

  5. Besser in eine gute Psychotherapie als in den Anschaffungssch***dreck investieren. Nur ein erwachsenes Kind und keine Immobilie haben (pure Freiheit). Wie gerne ich zur Miete wohne. Ich hab gelesen, bis 5 mal im Leben verändern sich die Bedürfnisse an eine Immobilie. In Miete kann man sie besser anpassen. Und wenig soziale Kontakte will ich. Die finde ich auch anstrengend, wenn zu viele oder wenn es nicht passt. Und an Technikgeräten wie WM, Mikrowelle, benutze ich nur 1-2 Funktionen. Den Rest bräuchte ich nicht.

    1. Ich habe schon immer lieber in mich selbst, als in irgendwelchen Kram investiert. – Bis 5 x im Leben ändern sich die Bedürfnisse an eine Immobilie, wusste ich nicht. Kommt aber hin, es ändert sich wirklich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte. Wobei ich schon froh bin, dass es Leute gibt, die Spaß an Immobilienbesitz haben – was sollte ich sonst anmieten?

  6. Liebe Gabi,

    du hast das Wesen des Minimalismus auf den Punkt gebracht. Mir sind die Aspekte Selbstbestimmung, weniger Murks, Umwelt und Austausch besonders wichtig. Zum Glück bin ich weniger werbeanfällig, bei Neuanschaffungen überlege ich genau, ob die Vorteile wesentlich überwiegen und welche Nutzungsnebenkosten damit verbunden sind (z.B. Erhöhung der Stromkosten durch Nutzung des Gegenstandes). Gerade steigen die Strom- Gaskosten, da bin ich ziemlich froh, dass unser Verbrauch weit unterdurchschnittlich ist und der Mehrbetrag noch verkraftbar scheint. Ich habe glücklicherweise auch nicht das Gefühl, mit anderen Menschen konsumtechnisch mithalten zu müssen. Den Austausch mit anderen Menschen schätze ich sehr. Von Menschen mit ähnlicher Lebenseinstellung erhalte ich oft Anregungen für einen nachhaltigen Lebensstil und bei konsumfreudigeren Mitmenschen erlebe ich oft nur eine kurze Zeit der Zufriedenheit. Ich wünschte, es gäbe mehr Ausleihmöglichkeiten für selten genutzte Gegenstände, wie z.B. Bohrmaschine und Gartengeräte. Vielleicht bewegt sich in den nächsten Jahren in diesem Bereich etwas.

    1. Oh ja, gerade bei den steigenden Energiekosten ist viel Technik-Klimbim wirklich kontraproduktiv. Beim Ausleihen gab und gibt es immer mal wieder auch gewerbliche Versuche, aber so richtig hat sich das bislang nicht durchgesetzt. Ich hatte das sogar mal bei der Waschmaschine überlegt, aber das war schlicht viel zu teuer.

  7. Der neueste Kick muss nicht sein. Vor 2 ? Jahre habe ich ein neues Handy gekauft. Ich stand dann im Laden. Geräte von bis! Für alle Lebenslagen! Irre! Es wurde das in meiner Lieblingsfarbe! 😉

    Es stimmt, Auto kostet ca. 300 Euro im Monat. Doch ohne gehts nicht. Ich geh auch langsam auf die 60 zu. Vllt. ändert sich das. Es ist goldwert, öffentlich und nicht weit zu Arbeit zu fahren. Das macht soviel aus!

    Minimalismus wird oft als Wettbewerb wer hat am wenigsten verwechselt. Es ist eher Besinnung auf das was ich brauche und mir wichtig ist. Ich bin in den jungen Jahre mit einer Freundin, die babygesittet hatte. Da war ein großes Regal mit LPs namhafter klassische Komponisten. Aber alle noch original eingeschweißt. Auf dem Plattenspieler lag eine LP Israelitische Kampflieder. Das ist für mich kein Minimalismus. Doch wenn sie die LPs gerne gehört hätten, ja!

    1. Der ÖPNV ist in einigen Regionen ja auch wirklich gruselig bzw. nicht vorhanden. In einigen Ecken kann man das wirklich vergessen. Auch hier gäbe es Verbesserungspotential, hier, wo ich wohne, ist ein eigenes Auto viel zu umständlich – stundenlanges Fahren, um irgendwo noch irgendeinen Parkplatz zu finden – und dann weite Wege bis zur Wohnung zu laufen.

  8. Ich ertapp mich noch immer: Das gönn ich mir, das steht mir zu. Doch das wird „normaler“.

    Auch Urlaub. Es muss nicht der Karibik-Urlaub sein, weil es schick ist und alle das machen. Wenn es mir gut täte , ja, doch wenn Schwarzwald mir mehr Erholung und Anregung verspräche, dann dorthin und die Karibik nicht geschenkt. Mit den Jahren (hört sich das blöd an!) ich kenn mir besser.

    Was mich nervt: der Murks. Man wird genötigt, immer schneller etwas zu kaufen. Denk ich an das digitale Fernsehen. Die Übergangszeit war viel zu kurz. Immer kompexere Geräte. Das meiste braucht man nicht und wird immer komplizierter in der Anwendung. Gar nicht selbsterklärend. überall blinkt und hupt was. Grausig! Ferner das Display ist schwer zu lesen.

    1. Ich finde, bei solchen weit entfernten Urlauben geht auch zu viel An- und Abreisezeit drauf. Man hat ja als Angestellte nicht ewig Urlaub, den möchte ich nicht auf dem Flughafen verbringen. Vom umweltunsinnigen Fliegen mal abgesehen – muss ich eh nicht haben.

  9. Moin Gabi,
    meine Gründe sind sehr ähnlich gelagert und weiter kommt noch dazu, dass ich auf keinen Fall im Finanzbereich ins schleudern kommen wollte und will. So ist es sehr beruhigend zu wissen, ich habe überschaubare Fixkosten und Konsumluxus brauch ich nicht, so wirft es mich auch nicht aus der Bahn, sollte z.B. mal die Waschmaschine den Geist aufgeben. Ich habe ein kleines Polster für solche Dinge und kann dann drauf zurück greifen. Zuletzt tat es sehr gut, die Kosten für den Umzug davon locker bezahlen zu können und sich keine Gedanken machen zu müssen, wer kann helfen. Nö wir haben ein Unternehmen beauftragt und konnten somit unsere, mittlerweile doch eingeschränkten, Kräfte für das spätere „Nest bauen“ aufsparen 🙂
    Was auch noch ein wichtiger Grund bei mir ist, ich mag meine Sachen die ich habe und gehe sehr pfleglich damit um, damit sie auch lange halten. Ich stelle mich nur sehr ungern und schlecht auf Neues ein. Da kommt einem der Minimalismus auch sehr entgegen. Man ist eben nicht stöndig auf der Suche nach dem neuesten Kick 🙂

    Liebe Grüße
    Aurelia

    1. Das kann ich sehr gut nachvollziehen, gerade bzgl. der überschaubaren Fixkosten und Finanzen. Die lange Nutzungsdauer ist dann auch sehr nachhaltig. Ich bemühe mich drum, bin da aber in dem Punkt nicht die Leuchte unter‘m Minimalismus-Himmel.

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