Einfach mal anders

„Wenn alles anders ist … dann machen wir das doch auch“ kommentierte Blogger Philipp vor einiger Zeit. Ich finde: Wie passend, nicht nur jetzt, sondern insgesamt.

Loslassen befreit

Statt kaufen am Black Friday, einfach mal was loslassen wäre so eine Möglichkeit. Das Loslassen von Dingen befreit nicht nur Räume, Schränke und Schubladen, sondern auch irgendwas im Kopf. Nicht mehr in den gewohnten Konsummustern zu stecken, scheint geradezu dazu einzuladen, einfach mal was anders zu machen. So kann es sein, dass man den Rebell in sich entdeckt, wenn man Tee aus einer Kaffeetasse trinkt. Oder dass sich das familiäre Zusammenleben durch eine 90-Grad-Wende im Wohnzimmer neu ausrichtet. Nach dem Minimalisieren kann der Umzug überwiegend zu Fuß und mit dem Hackenporsche erledigt werden. Vielleicht wird auch das Bett entsorgt und das Sofa in der Küche zum neuen Traum-Schlafplatz. Wie wichtig es sein kann, die eigene Fallhöhe zu reduzieren, brauche ich in Corona-Zeiten wohl kaum erwähnen.

Der Blick auf die wirklichen Bedürfnisse

Wer erstmal den minimalistischen Lebensstil tiefgreifender für sich entdeckt hat, wird sich immer wieder neu nach den eigenen Bedürfnissen fragen. Auch mir selbst geht es so. Ruhephasen sind mir wichtig geworden. Endlich habe ich – passend zur kühleren Jahreszeit – mein Langbeiner-Selfmade-Sofa.  Der Genuss lauer Sommerabende auf dem Balkon, mit Gesprächen über „Gott und die Welt“, ist jedes Jahr wunderbar. Auch der Blick auf die Umwelt ist mir wichtig geworden. Weniger Dingemurks und Plastikschrott gehört dazu. Es ist irrsinnig, sich bis in die Umweltkatastrophen zu shoppen, Menschen und Planeten auszubeuten und sich so der eigenen Lebensgrundlagen zu berauben.

Den Blick auf die Dinge verändern

Einfach mal was anders – manchmal brauche ich das auch in meiner Wohnung. Kein Problem mit wenigen und leichten Möbeln. Die sind schnell umgestellt und schon entdecke ich alles neu. Finanziell reich muss man übrigens für Minimalismus nicht sein. Ich lebe vom (seit Jahren tariflich nicht mehr angepassten) Halbtagsgehalt einer Sozialpädagogin und lege rund ein Viertel meines Einkommens zurück. Langfristig für später, aber auch, wenn es mal eine besondere Anschaffung braucht. Minimalismus ist für mich keine Frage des Geldes, auch wenn andere Menschen dies durchaus anders sehen.  Es gibt keinen Zeitgeist, dem ich nachjagen müsste. Minimalismus ist eine Frage der inneren Einstellung und das befreiende Experiment, den Blick auf die Dinge und sich selbst zu verändern und einfach mal was anders zu machen.

 

Teil eines Tischs von unten fotografiert. Im Hintergrund Teil eines Bettpodestes

 

 

 

18 thoughts on “Einfach mal anders

  1. Hallo Gabi,

    vielen Dank für die Verlinkung und den Beitrag, indem du ganz geschickt andere Minimalismus-Blogger.innen verbaut hast, die ich noch gar nicht kannte. Ich freue mich darauf, ihre Blogs zu erkunden. 🙂

    Wir nutzen Black Friday und Cyber Monday tatsächlich auch, um gezielt günstigere Preise zu für Nutzgegenstände zu finden, die wir ohnehin benötigen und schon länger danach Ausschau halten. Von den Ausmaßen, wie es beispielsweise in den USA praktiziert wird, war ich immer etwas schockiert. Andererseits: Verhalten sich die Deutschen da wirklich so anders? Es mag nicht diesen einen Tag der Sonderangebote geben, an dem man mehr kauft, als man tragen kann. Stattdessen gibt es gefühlt jederzeit Sonderangebote, Schlussverkäufe oder „Mid-Season-Sales“ – Eine der drei Varianten taugt immer, um Produkte noch günstiger abzusetzen. Aber wer zahlt den wahren Preis dafür?

    Ganz groß profitieren davon die riesigen Online-Händler. Die haben nicht mit den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu kämpfen und entziehen sich vielen Bestimmungen, denen kleine, lokale Geschäfte unterliegen: Schließzeiten in der Nacht, am Wochenende und an Feiertagen? Nicht im Internet. Corona-bedingte Begrenzungen, wie viele Menschen sich gleichzeitig im Geschäft aufhalten dürfen? Nicht im Internet. Steuern zahlen? Nicht im Internet. Von den Arbeitsbedingungen möchte ich gar nicht erst anfangen.

    Seit 2013 habe ich deshalb gar kein Konto mehr bei dem Online-Riesen schlechthin. Bereut habe ich es noch nicht. Es gibt genügend lokale Händler.innen und kleinere Online-Shops, wo ich kaufen kann.

    Lieber Gruß
    Philipp

    1. Ich lese immer noch lieber die ganzen privaten Blogs, als mich durch die Werbewelt von Youtube zu wühlen oder Popups wegzuklicken, Affiliates übersehen etc. etc.
      Beim A…händler habe ich auch schon längere Zeit keinen Account mehr. Es gibt wirklich genügend Alternativen. Ich überlege inzwischen sehr genau, wen oder was ich mit meinem Kauf unterstütze oder eben auch nicht.

  2. Hallo Gabi!
    Black Friday……..immer wieder Erfindungen um dem Verbraucher das Geld aus der Tasche zu locken. Mal was ganz anderes (?) – ich habe diesen Monat beschlossen, nur von den vorhandenen Nahrungsmittelbeständen zu leben. Ich kaufe wirklich nur was sein muss. Ich gebe zu, ich bin noch nicht beim Minimalismus angekommen. Aber ich bin auf dem Weg!
    Meine Erfahrung: befreiend, entspannend, inspirierend und mit Glücksgefühlen verbunden. Ich habe noch nichts vermisst. Erstaunt war ich, was sich in der Küche so zaubern lässt. Ich habe allerhand Geld bespart und somit verringert sich der „Bestand“ automatisch. Inspiriert von Dir, liebe Gabi, und Christof Herrmann von „Einfach bewusst“ gehe ich meine Weg. Alles hat mal klein angefangen…..
    Liebe Grüße und eine schöne Woche
    wünscht Marianne

    1. Oh, das klingt ja richtig gut. Es fühlt sich ja auch viel besser an, die vorhandenen Vorräte aufzubrauchen, anstatt sie irgendwann doch noch wegwerfen zu müssen. Die Kreativität beim Kochen regt es auch noch an.

    2. „Jedem Anfang liegt ein Zauber inne“. Und wenn dann der Mensch auf sein Herz und sein Bewusstsein hört, spürt er schnell, ob das ein heilsamer Weg für ihn als Ganzes ist. Dann bist du in deinem Tun bestärkt und wirst den Weg des Herzens weitergehen. Alles Gute und Grüsse aus dem Appenzellerland.

  3. Moin Gabi,
    einfach mal anders, jup so geht das 🙂
    wozu immer alles so machen wie immer, oder wie es vorgesehen ist? Manchmal ist es viel einfacher es anders zu machen.
    Wenn man das erst mal erkannt hat, lebt es sich sehr viel entspannter.

    Dir einen schönen Sonntag
    liebe Grüße
    Aurela

  4. Hallo Gabi,
    natürlich ist das eine gute Idee, den Black Friday zu nutzen um noch mal zu prüfen, was weg kann.
    Ich werde ihn aber gezielt zum shoppen nutzen um meine Wohnung fertig einzurichten (Küche, Bett, Matratzen) und dringend benötige Kleidung zu shoppen.
    Ich hätte es schon 2 Wochen vorher besorgen können aber wegen dem nahenden Black Friday warte ich.

    1. Angebote nutzen ist nachvollziehbar, sofern man ohnehin was braucht. Etwas anderes ist: Ich kaufe, weil es billig ist.
      Am Black Friday einkaufen macht m.E. dann nur Sinn, wenn man die Preise rechtzeitig vorher vergleicht. Manche Händler erhöhen nämlich erst die Preise, um die Dinge am Black Friday dann (vermeintlich) billiger anzubieten.

  5. Ich habe oft gedacht, wenn ich aus dem Urlaub zurückkam, wer hier wohnt. Ich lief zurück, guckte aufs Klingelschild. Tatsächlich, da steht mein Name! Ups!

    Was mich auch immer nervt, es ist nie Zeit, alles zu sortieren. Es ist soviel liegengeblieben. Jetzt ist auch nicht viel anders. Doch man ist mehr zuhause und das Chaos nervt. Da entdeckt man Flecken auf der Schmutzfangmatte. Waschen oder gleich austauschen? Ich brauch das Ding auf dem kalten Fliesenboden. Kaffee geht aus. Der Laminatboden gehört mal gewischt, doch erstmal freilegen.

    Irgendwie reicht die Zeit nicht. Entweder ich räume (wohin mit den ganzen Krust??) oder ich putze (alles steht voll).

    Der Konsum ist so eine Sache. Wie oft rennt man herum und sucht alltägliche Dinge. Kriegt man das nicht Laden, bestellt das schließlich. Irgendwie geht es wie mit dem Sofa. Es „paßt“ nicht. Es ist ein Provisorum. Besser als keine Schüssel. Zufällig findet man etwas geschicktes, dann hat man zwei Schüsseln.

    Ich wollte schon letztes Jahr die warmen Hosen wegwerfen. Da fehlt schon bald der Hosenboden. Herumgerannt, gesucht, pertout nichts gefunden. Was hatte mich geärgert. Die Wahl: nackig herumlaufen oder die kaputten Hosen. Ein Winter lief ich nur in Söckchen herum. Pertout keine Kniestrümpfe gefunden. Die alten hatte ich dummerweise schon weg.

    So häuft es sich bei mir an. Ja, wir sind nicht mehr die gleichen nach der Pandemie. Warten ? Nein, überlegen, wer und was ist uns wichtig. Wie möchen wir danach leben? Also raus aus der Passivität, aktiv werden! Die Zeit nutzen.

    Das witzige ist gerade: Ich denk oft, wohin mit dem Sch*** Dann bieten sich soviele Gelegenheiten an. Da sucht jemand ein Notebook, zack weg mit dem alten! usw. Ich hatte mich über die alte Bank geärgert. Meine alte hat immer noch keine Filiale. Doch die moderne Möglichkeiten wie Online-Banking. Gleich noch die Versicherungen gewechselt, über die ich mich ebenfalls ärgerte. Das war noch Stand vor 15 Jahren! Anderes dubioses.

    HomeOffice seit März. Ich genieße das, andereseits, mir fehlt da was. Ich denke viel über die Arbeit und mein Leben nach. Die letzten 5 Jahre und die nächsten 5 Jahre. Was war da gut oder weniger gut. und so.

    Was war: ich war bisher wie auf gepackte Koffer. Nun war ich heimisch geworden. Doch ich hab das Gefühl, es wird bald wieder Zeit wieder die Koffer zu packen. Kennst du das?

    1. Ich sage gerne, dass der Weg zur Einfachheit schon mal mit Komplikationen gepflastert ist.
      Mir hilft:
      1. Welche Dinge machen Arbeit, sind aber nutzlos und stehen eh nur herum? Weg damit.
      2. Erstmal den Fußboden möglichst frei bekommen.
      3.: Was hat Zeit und kann warten?

  6. Guten Morgen Gabi!

    Das ist eine tolle Idee für einen Artikel – danke auch fürs Verlinken! Einfach mal was anders machen ist ein spannendes Motto. Ich habe erst kürzlich entdeckt, dass ich zwei Scheren habe. Eine Nagelschere und eine „normale“ Bastel-/Küchenschere. Jetzt habe ich nur noch die Nagelschere.

    Bezüglich der Ausbeutung von Rohstoffen, Planet und Co. habe ich einmal eine interessante Dokumentation gesehen, deren erster Satz im Voice-Over war: „Der Mensch ist das einzige Tier, das Müll produziert“. Das hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Auf YouTube habe ich wenig später Rob Greenfield gefunden, der mittlerweile in einem Tiny House lebt, das vollständig biologisch abbaubar ist. Darüber hinaus legt er Wert darauf, dass all seine Besitztümer wieder in den Kreislauf der Natur finden können. Das finde ich sehr spannend, wenn man bedenkt, wie selbstverständlich man Plastik und andere Verbundstoffe nutzt.

    Danke für diesen kurzen und knappen Beitrag, der on point zusammenfasst, wie das „Experiment“ Minimalismus aussehen kann! 🙂

    1. Ich bin immer ein wenig hin- und hergerissen. Einerseits braucht es solche gelebten Ideale, wie es z.B. Rob Greenfield zeigt. Und sei es nur, um mal zu zeigen, dass es auch anders geht. Andererseits ist das von den klimatischen Bedingungen hier und auch von meinem persönlichen Alltag sehr weit entfernt. Bei mir läuft die umweltfreundlichere Alltagsgestaltung sehr viel kleinschrittiger und manchmal recht mühsam. Den Satz von Anne Marie Bonneau finde ich da sehr hilfreich: „ We don’t need a handful of people doing zero waste perfectly. We need millions of people doing it imperfectly.“

      1. Mit Rob Greenfield komme ich nicht klar. Der reist so schnell und zeigt bruchstückartig Projekte , ich kann das gar nicht einordnen und vermute öfters das das nicht so ganz real ist und Marketing ( wofür ?? ) ist

        1. Ich kenne ihn zu wenig. Aber es ist wie immer: Wenn es zu perfekt und zu ideal aussieht, dann frage ich mich meistens, was nicht stimmt. Und mit sehr vielen Seitenaufrufen, kann man bei Youtube einiges Geld verdienen, braucht vermutlich dann nicht viel anderes arbeiten. Ohne irgendeine Form von Marketing gehts wohl kaum.

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