Weniger rein und raus der Dinge

Endlich Platz und schon wieder neues Zeug

Endlich entrümpelt, endlich Platz. Minimalismus kann sehr befreiend sein. Aber wenn man nicht aufpasst, auch eine Falle, sozusagen die Rein-und-raus-Falle. Ach, da ist ja jetzt Platz, schwupps ist die Wohnung wieder voll. Schachstellen bei mir: Das Elend des Dinge-Murks. Kaum ist die Gewährleistung abgelaufen, geht insbesondere die Technik gerne kaputt. Da liegts ja immerhin an geplanter Obsoleszenz, schlechter Produktqualität und nicht direkt an mir. Beeinflussen kann ich dort aber auch: Weniger Technik-Kram – weniger Ärger 😉

Rein und raus beim Mobiliar

Für mich ist es schwieriger, dann irgendwann auch mal mit Möbelstücken zufrieden zu sein. Früher (in den 80er- und 90er-Jahren) habe ich diesen Bereich zu wenig reflektiert. Gekauft, weil „man“ das so hat – nicht zufrieden damit – verkauft. Ein ewiger, dusseliger Kreislauf. Es war der unreflektierte Widerspruch zwischen erlebter Gewohnheit, Anpassung an gesellschaftliche  Konventionen und meinem Hang zu unkonventionellen, individuellen Lösungen. Zum Glück habe ich diesen unsinnigen Kreislauf lange überwunden. Heute ist es für mich eher die Schwierigkeit, die passende Größe der Möbel zu kaufen. Sofas sind meistens zu niedrig, zu weich. Stühle sind oft auch eher zu niedrig. Die Standardhöhe von Küchen ist irgendwie auch nicht passend, usw..

Tische sind auch so ein Thema. Ich kann wegen einiger körperlicher Handicaps nicht gut am Boden sitzen. Ich brauche durch Schwerhörigkeit bedingt zum Telefonieren dann auch noch einen sog. Bluetooth-Streamer. Der Bluetooth-Streamer ist ein kleines Gerät, welches ich mir um den Hals hänge und welches mir die Töne vom Telefon direkt an mein Hörgerät weiterleitet. Vor einigen Monaten hatte ich zunehmend das Problem, dass ich mehrfach mit dem Streamer an der Tischkante meines alten Tisches hängen geblieben bin und mich fast schon stranguliert hätte. Das muss auch nicht sein. Also habe ich diesen Tisch verschenkt und öfter den kleinen, alten Klapptisch vom überdachten Balkon reingeholt und diesen dann zusätzlich genutzt. Diesen Tisch finde ich total super. Er ist klein und groß gleichzeitig und sehr flexibel. Ich nutze den Tisch schon viele Jahre, obwohl es genau genommen eine Dauerleihgabe ist, also nicht mal mein persönlicher Besitz. Leider ist bei diesem Klapptisch aber eine Klappe abgebrochen – vermutlich Alterserscheinungen. Ich konnte den Tisch reparieren, aber ständiges Transportieren will ich ihm doch nicht mehr zumuten. Also habe ich doch nochmal einen neuen Tisch gekauft, Tisch Nummer 3 in meiner Wohnung. Ständig den Küchentisch in den Wohn-Schlafraum und zurück transportieren möchte ich nämlich auch nicht.

Lange Nutzungsdauer von Möbeln

Dieses Mal habe ich aber einen Weg gefunden, wie ich weiteres hin und her bei den Tischen vermeiden kann und wie ich die Chance auf eine möglichst lange Nutzungsdauer erhöhe. Bei der Recherche, für welchen Tisch ich mich entscheide, habe ich mir stets die Frage gestellt:

  • Möchte ich diesen Tisch auch noch in 5 oder 10 Jahren nutzen? – Erstaunlich, wieviele Tische ich da gleich wieder von der Auswahlliste gestrichen habe.
  • Ein weiteres Kriterium: Massivholz. Ich will einfach nicht diese wackeligen Papp- und Plastikmöbel.

Nach einigem Suchen habe ich auch einen kleinen Tisch gefunden. Dort gibts auch keine Kanten, an denen ich mich mit dem Streamer strangulieren könnte. Mit 110x55cm passend, aber auch nicht allzu groß.

 

Weniger rein und raus der Dinge – meine Kriterien für die minimalistische Möblierung

  • passende Größe, insb. passende Höhen
  • passende Menge – weder soll alles voll stehen, noch will ich ständig Möbel hin und her räumen müssen.
  • besser wenig, als viel
  • keine „Möbelmonster“ (große, unflexible Möbel). Sie sind oft praktisch. Ich mag sie aber nicht
  • nur „entrümplungsunfreundliche Möbel – also die Teile, wo nicht die Gefahr besteht, dass ich mich irgendwann freue, wenn ich sie wieder entrümpeln kann. Somit eine hohe Chance auf eine lange persönliche Nutzungsdauer
  • besser Qualität als Quantität

Hier ein kleines Video: Hin und her der Tische:

 

Videobeschreibung für Blinde:
Ich stelle zuerst den kleinen, alten Klapptisch vor. Danach die abgebrochenen Stellen des Tisches, den reparierten Tisch und wie ich den Tisch auf dem Balkon aktuell nutze. Es folgt ein Bild vom aktuellen Küchentisch. Am Ende zeige ich den neu gekauften Schreibtisch im Wohn-Schlafraum.

Hinweis Auf meiner Videoseite werde ich die Videobeschreibungen für Blinde nach und nach ergänzen.

19 thoughts on “Weniger rein und raus der Dinge

  1. Guten Morgen Gabi, dein Blog ist sehr inspirierend für mich. Auch ich mache mir oft Gedanken, wie die Dinge möglichst lange zu nutzen sind. Zum Glück habe ich kein ständiges Rein und Raus. Die eine oder andere Neuanschaffung bleibt aber nach 20 Jahren Nutzung nicht aus. Mir sind auch Massivholzmöbel am liebsten, schon wegen der Haltbarkeit, Behaglichkeit und natürlich auch wegen des „Lebens nach meinem Gebrauch“. Ich setze mich auch vor einer Neuanschaffung mit den Anforderungen an den Gegenstand und meinem Bedarf auseinander. Möbel sollten wenigstens 20 Jahre bei mir verweilen. Sie müssen auch mal einen Umzug gut überstehen und universell einsetzbar sein. Ich würde es sehr begrüßen, wenn sich die Aufarbeitung von Möbeln finanziell gegenüber dem Neukauf lohnen würde und sich die Möbelstücke auf verschiedene Körpermaße einstellen ließen.

    1. Hallo Beatrice, das klingt wirklich richtig gut. Bei den schlecht verarbeitetenden Möbeln heute ist klar, dass die nicht ewig halten. Früher hatte ich aber so eine Beständigkeit von mir aus auch nicht. Auch die Idee, dass die Möbel universell einsatzbar sind, dass man was verändern und auch gut damit umziehen kann, ist eine gute Sache.

  2. Manchmal ist ein rein und raus der Dinge durchaus sinnvoll, wenn sich die Umstände oder Bedürfnisse ändern. Früher saß ich auf irgendwelchen niedrigen Hockern, heute finde ich Stühle in der passenden Sitzhöhe bequemer und rückenschonender.
    Ich finde es für mich viel bedenklicher, dass ich nach einem Jahr Pandemie versucht bin meine Bedürfnisse mit Konsum zu decken. Schon vor Jahren ist meine letzte gläserne Kompottschale zu Bruch gegangen. Seitdem gibt es Pudding und Dessert in Müslischalen. Jetzt wünschte ich mir plötzlich wieder Kompottschalen. Es hat einige Zeit gedauert, bis mir klar war, dass ich mir eigentlich Menschen herbeigewünscht habe, denen ich Pudding auftischen kann.

    1. Genau das. Die Gedanken kenne ich nach einem Jahr Pandemie nur zu gut, Violetta. Ich hab gerade auch so komische Konsumwünsche und frage mich, woher kommt das? Dinge, die ich schon mal abgeschafft habe wie einen Schreibtisch. Werde mir keinen kaufen.

      Jetzt war ich kurz im Schuhparadies. Wollte mir noch ein zweites Paar chromatfreie Schuhe kaufen. Da kosten sie über Nacht 40 Euro mehr. Der ganze Shop. Ich hab jetzt einfach angefragt, ob sie mir da preislich entgegen kommen. Ich zögere viel zu lange vor Kaufentscheidungen.

      1. Oh, 40€ mehr… manche Anbieter wechseln die Preise mehrfach am Tag. Manche Onlineshops schauen sogar, wer mit welchem Gerät und welchem Browser auf der Webseite surft. Wenn man dann noch Zeit hat: Browser zurück setzen, abwarten. Mal eine andere Suchmaschine nehmen und bei anderen Anbietern schauen. Ist aber eben auch alles viel Aufwand – ich überlege dann auch eher: Ach, ich lasse die Einkauferei. Bis es dann irgendwann überhaupt nicht mehr geht und es einfach sein muss.

    2. Hallo Violetta, das ist ja geradezu ein Idealklassiker des minimalistischen Lebensstils – entrümpeln ja erst der Anfang. Bewusster konsumieren und überlegen, was man wieder ins Haus holt – das ist ein wirklich entscheidender Punkt. Es geht nicht um die Dinge, sondern darum, was ich damit überhaupt bezwecken will, was ich mir wirklich wünsche etc.

    3. Manche Wünsche sind auf angenehme Erinnerungen in der Vergangenheit zurückzuführen. Menschen und Erlebnisse , Jugend und ehemalige Freude. Man muss höllisch aufpassen, ob der Wunsch in die Gegenwart passt oder in eine andere Zeit verweist. Fitnessgeräte sind da auch so ein Klassiker : ich kaufe das heite,weil ich morgen so fit sein möchte wie vorgestern 😉

  3. Mein Problem ist, dass ich oft spontan kaufe, wenn ich eine neue Idee habe oder denke irgendetwas passt besser oder sieht besser aus. Online-Shopping macht’s möglich…
    Deine Gedanken sich zu fragen, ob man etwas in den nächsten 5 oder 10 Jahren auch noch haben möchte, finde ich gut oder sich vorm Kauf zu fragen, wie leicht oder schwer man eine mögliche Neuanschaffung auch wieder loswerden könnte.
    Wir haben vor mehreren Jahren mal tolle und auch teure hochwertige Schränke gekauft. Leiden mag ich sie nach wie vor sehr gerne, allerdings empfinde ich sie heute als zu schwer, zu viele und teilweise zu groß. So etwas großes wird man schwer wieder los…

  4. Spontan ist mir eingefallen die Stellen am Tisch und den Tisch selbst einem Tischler zum restaurieren zu geben. Du würdest ihn vermutlich nicht mehr wiedererkennen so toll würde er zurückkommen.

    1. Das müsste vermutlich schon ein Restaurator sein, denn die üblichen Tischlereien arbeiten heute auch eher industriell. – Mal schauen. Ich fürchte, da müsste so viel dran gemacht werden. Das wären nicht unerhebliche Kosten und irgendwie bin ich mir nicht sicher, ob dann der alte Charme noch so da ist. Das Unperfekte hat was, halt nur nicht wenn es kaputt ist. – Vom generellen Prinzip her stimme ich dir aber zu: Restaurieren, reparieren und Dinge weiter nutzen ist sinnvoll, umweltfreundlicher.
      Der Möbelelch hat einen vergleichbaren Tisch (nachgebaut). Aber größer, mit Schubladen, aber der gefällt mir lange nicht so gut, wie dieser uralte und etwas klapprige Klapptisch.

      1. Vielleicht Kleinanzeigen nutzen. Es gibt Tischler in Rente und welche die das als Hobby machen.

        1. Mal schauen, einiges kann ich auch selbst. Wenn zu kompliziert, wäre das ggf. eine Option.

  5. Passende Möbel oder kleine Möbel zu finden ist wie ein 6er im Lotto. Ich hab viele Möbel aus der gemeinsamen Wohnung mitgenommen über 20 Jahre alt. Ein PC Wagen 60 cm breit. Usw.

    Was mich glücklich machte, dass ein Schreiner die Leiste der Tür der Anrichte klebte und ein Scharnier der Tür vom Kleinerschrank reparierte.

    Der Schrott heute, vergiss es! 🙁

    1. Wenn die Möbel reparierbar sind, ist das schon mal ein prima Hinweis, dass diese etwas taugen.

  6. Liebe Gabi, ich finde der Stuhl passt sogar sehr gut zu dem neuen Tisch. Gerade Stilbrüche machen Wohnräume doch erst spannend und das Metall des Stuhles wiederholt sich doch in der Lampe, das ist sehr schön. Ich mag auch sehr das schöne alte Holz vom Balkontisch.
    Es ist genau wie du sagst, man braucht nicht viele Sachen sondern im Grunde nur das was auch wirklich benutzt wird. In den Achtzigern dachte ich z.B. ein Wohnzimmerschrank müsste sein , seit 26 Jahren weiß ich das es wunderbar ohne geht.
    Schöne Grüße in deinen Sonntag, Martina

    1. Wo du es sagst … ist mir noch gar nicht aufgefallen bzgl. Stuhl und Lampe.
      Ach ja, die große Wohnzimmerschrankwand – das war früher der Klassiker schlechthin. In den analogen Zeiten war ein wenig mehr Kram nötig. Trotzdem war es ein Ungetüm.

    2. Liebe Martina,
      genau das ist auch meine Meinung. 😊
      Der Stuhl mit spiegelt sich super in der Schreibtischlampe wieder! Der Tisch ist super schön; bin ganz verliebt 😍… und dann noch die Schubladen! So ist die Arbeitsfläche immer schnell wieder frei.
      Schönen Sonntag 🌞 und ganz liebe Grüße,
      Karin

      1. Danke. Es war endlich mal wieder einer der klassischen Spaziergeh- und Balkonien-Sonntage bei wunderschönem Sonnenschein.
        Der neue Tisch ist wirklich superpraktisch und sehr schön. Die Schubladen sind groß genug, dass auch was reinpasst und klein genug, damit man sie nicht vollrümpeln kann – sehr praktisch 😉

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