Minimalismus und Deko

Ich mag minimalistische Unterschiede und Individualität

Wer mich kennt weiß es längst: Ich bin bekennender Fan individueller Lösungen. Da wäre beispielsweise die Sache mit der Deko. Davon gibt es bei mir wenig und natürlich werde ich immer mal wieder darauf angesprochen. Das ist ja auch ok, kein Problem und für mich eher anregend und inspirierend, weil man sich wunderbar darüber auszutauschen kann. Der Ton macht ja bekanntlich die Musik. Es ist doch klasse, dass wir nicht alle gleich ticken – das Leben wäre doch ansonsten ziemlich öde. Es gibt ja gute Gründe, warum die einen Menschen es lieber so und die anderen lieber anders haben. Solche Gründe finde ich spannend.

 

Weniger Deko als Kontrastprogramm

In meinem Beruf als Sozialpädagogin bin ich seit 20 Jahren regelmäßig in sehr vielen Wohnungen unterwegs. Dabei stelle ich immer wieder fest: Deko kann ich mir woanders begeistert anschauen, manche Menschen haben da wirklich gute Deko-Antennen. Ich muss Deko dann aber deshalb nicht bei mir Zuhause stehen haben. Früher habe ich durchaus auch hier oder da etwas hingestellt. Das waren aber eher irgendwelche Stehrümchen – mehr aus Gewohnheit oder „weil man das so hat“ oder die Wohnung ansonsten so leer aussieht. Heute interessiert mich sowas nicht mehr. Es fehlt mir nicht. Im Gegenteil. Zuhause brauche ich wohl eher so etwas wie ein Kontrastprogramm. Zur Erholung benötige ich andere visuelle Eindrücke. Das verhilft mir u.a. auch zu einem besseren Abschalten.

 

Ich mag Natur … draußen

Ich mag die Natur. Ich liebe Pflanzen und Bäume – aber nicht in Pflanztöpfen, sondern in der Natur. Ich gönne jedem Topfpflanzen. Ich selbst möchte sie mir aber nicht mehr in die Wohnung stellen – auch dann nicht, wenn es gerade mal in einigen Minimalismus-Kreisen „in“ ist.  Die Natur draußen ist mir lieber und die kann ich mir sogar von drinnen aus anschauen. Zur Zeit steht mein Multisitzmöbel bzw. Sofa in der Küche. Ich habe von dort den direkten Blick in den großen Innenhof, mit diesen wunderbaren, großen, alten Bäumen. Zur Zeit ist es im Frühjahr noch kahl …

Blick aus dem Fenster in einen Innenhof mit Bäumen

aber das ändert sich ja bald. Dann sieht es ungefähr so aus:

Blick vom überdachten Balkon auf einen Innenhof mit großen, alten Bäumen
Foto: © Vera Dohmann

 

Ich genieße diesen direkten Ausblick in die Natur – mitten in der Innenstadt, mitten in Dortmund, mitten im Ruhrgebiet und in der Region, in der früher Fördertürme standen, Schlote qualmten und weiße Wäsche nicht lange weiß blieb. Heute ist das ganz anders. Neulich hat jemand Dortmund zur viertgrünsten Stadt weltweit gekührt, auch sollen wohl tatsächlich jetzt endlich mehr Fahrradwege gebaut werden (bzw. überhaupt mal welche). Aber ok, sind wir trotzdem mal ehrlich: Es gibt immer noch Gegenden mit mehr Natur ?.

 

Meine neue Wanddeko

Ach ja, so ein bisschen mehr Wanddeko gibt es jetzt bei mir dann doch. Wie oben erwähnt, nutze ich z.Z. mein Multisitzmöbel als Küchensofa. Darüber drei Bilder von einem nahe gelegenen Wäldchen, fotografiert im letzten Herbst. Ich genieße es, es entspannt mich. Aber natürlich gönne ich auch jede/m von Herzen, wenn er oder sie es anders lieber mag.

Küchensofa mit drei Naturbildern darüber

 

 

Zum Weiterlesen:

 

21 thoughts on “Minimalismus und Deko

  1. Meine Deko muss einen beruhigenden Charakter haben – die sog. „Eyecatcher“ sind für mich der Horror. Mein Bedürfnis ist da absolut konträr, ich will, dass das Auge eben nicht hängenbleibt. Ich liebe meine Klangschale (die auch genutzt wird), meinen Teelichthalter aus Olivenholz und meine kleine Buddhastatue. Und Zimmerpflanzen brauche ich, aber in unseren beiden Räumen max. jeweils 2. An der Wand im Wohnzimmer noch ein Holzmandala aus tschechischem Buchenholz aus Krumau. Mehr will ich nicht, sonst werd ich ganz hibbelig wegen der ständigen Reizüberflutung. Mich stressen schon mehr als drei Kosmetikprodukte im Bad (leider ohne Schrank) auf der Ablage.

    1. Reizüberflutung abbauen – das ist nach meinem Eindruck zwar nicht immer, aber doch ein häufiges Thema bei Menschen, die sich für Minimalismus als Lebensstil interessieren. Ich kann es sehr gut nachvollziehen. Es geht mir ähnlich. Ich brauche und genieße die Ruhe für meine Sinne.

  2. Hast du in der Küche noch den bunten Wandteppich, den man auf einigen Fotos sieht?
    Ich finde ein so ein „Eye-catcher“ sollte es schon sein, auf dem der Blick ruhen kann. (Im Wohnzimmer erfüllen die 3 Waldbilder den Zweck ja absolut.)

    In meiner ersten „Alles-muss-weg-Minimalismus-Phase“ ist seeehr viel Deko weggekommen. (Das mein unerfüllter beruflicher Traum war, im Museum zu arbeiten, hat man an meiner Wohnung gesehen…)

    Was ich aber tatsächlich wieder nachgekauft habe, sind Pflanzen, weil mir Grün in meiner Wohnung wirklich fehlte.
    Ich habe jetzt überwiegend Pflanzen in geschlossenen Glasgefäßen – Pflanzenterrarien quasi. Die brauchen keine Pflege, müssen nicht gegossen werden, sind vor Schädlingen sicher. (Wäre eine Lösung für Leute, die keine Topfpflanzen, aber etwas lebendiges wollen.)

    Ansonsten habe ich ganz wenige Dekostücke mit großem beudeutungsträchtigem Wert und einige Nutzgegenstände, die gleichzeitig Deko sind: Farbige Glasgefäße und Gefäße aus Birkenrinde, in denen ich Lebensmittel aufbewahre. Die sind nicht im Schrank verstaut, sondern stehen als „Farbflecken“ (in der ansonsten weiß/grauen Wohnung) auf der Kommode.

    1. Nein, der Wandteppich war Jahrzehnte alt und irgendwann kurz vor dem Auseinanderfallen. Mit den 3 Bildern geht es mir jetzt aber auch sehr gut.

        1. Ja, für mich auch nicht unerheblich. Der Bequemlichkeitsfaktor (wenig putzen etc.) ist mir durchaus wichtig. Notwenige Übel habe ich gerne möglichst zügig und mit wenig Aufwand erledigt. ?

    2. Daniela Bring mich mit den Pflanzenterrarien nicht auf dumme schlaue Ideen, ich bin nämlich sehr pflanzensüchtig, oh je. Aber es ist für mich leichter der Versuchung zu widerstehen , wenn weniger Pflanzen da sind. Wenn sie sich ansammeln , dann beschleunigt es sich bloß. Das habe ich schon mehrfach erlebt. Ein Bild mit grüner Natur an der Wand ist auch schön.

  3. Ich war einmal die Dekotante schlechthin. Kein Trödelmarkt wurde ausgelassen, dabei lag mein Augenmerk auf Vintage und Old Style. Kannen, Kännchen, alte Bilder, Geschirr, Tischdecken und überhaupt alles, was das Herz begehrt. Sogar die Jahreszeiten wurden mit einbezogen. Bei mir sah es aus, wie in den Wohnzeitschriften eines dänischen Verlages mit französischen Namen…..
    Sah so aus….bis vor ein paar Jahren. Dann vollzog sich erst langsam und dann immer schneller werdend ein Wandel. Heute ist meine kleine Wohnung wie ausgetauscht. Weiße Möbel und viel freie Fläche, die Schänke bis auf die notwendigsten Dinge leer. Lediglich meinen Vorrat an alten Leinenstoffen habe ich bewahrt. Daran hängt mein Herz und ich werde mir daraus Kräuterkissen und Beutel, Taschen und Kleidung nähen.
    Bis jetzt kann ich nicht einmal sagen, was diesen Wandel ausgelöst hat. Von einer rauchenden, dekoorientierten Omnivore zu einer nichtrauchenden, veganen Minimalistin war ein sehr, sehr kurzer Weg, der mich selbst überrascht.
    Das neu gewonnene Lebensgefühl möchte ich aber keinesfalls mehr missen.

    1. Das ist ja schon ein ungewöhnlicher Weg in so kurzer Zeit, aber es geht dir gut damit, d.h., es passt. Manchmal muss man sich auch einfach mal neu ausprobieren. Dann versackt man auch nicht so im Alltagstrott.

  4. Bunt macht mich sehr unruhig. Aber da tickt jeder anders.?
    Ich bin schon froh, wenn ich wieder aus dem Kinderzimmer raus bin. Dagegen ist die restliche Wohnung mein Ruhepool, in hauptsächlich Weißtönen und etwas Naturholz.
    Mir geht es ebenso, bei anderen gefällt mir so ein bisschen bunte Deko ganz gut. Aber in der eigenen Wohnung geht gar nicht.
    Mal ein bunter Blumenstrauß als Kontrast, das finde ich auch hübsch. Oder ein Korb mit bunten Wollknäueln, wenn man gern strickt. Aber das war es dann auch schon.
    Man sollte sich immer fragen, für wem man dekoriert. Für sich selbst ist ja ok, doch meistens ist es doch so, dass sich das Auge ganz schnell daran gewöhnt. Man schaut irgendwann nicht mehr hin und die Dinge taugen nur noch zum Abstauben. ?

    1. Wenn Deko, dann vorrangig für sich selbst. Das ist auch ein wichtiger Aspekt. Dann ist es ja vielleicht auch eine Idee, ab und an, einfach mal umzudekorieren. Irgendwann registriert man die Dinge in der eigenen Wohnung tatsächlich kaum noch.

  5. Oh,ich befinde mich da immernoch im Zwiespalt.Ich mag es kleine Dioramen zu gestalten und den Jahreszeitenwechsel mit seinen passenden Objekten.Aber aus meiner bisherigen Erfahrung weiß ich auch wie schnell so ein Reiz wieder verfliegen kann und wie anstrengend das Saueberhalten der Dinge ist.Vieles habe ich schon aussortiert,aber ich empfinde die Wohnung trotzdem noch zu überfüllt.Aber ich will mich auch nicht zu sehr unter Druck setzen und mich langsam von Dingen trennen,wie es mein Gefühl zuläßt.Natur habe ich glücklicherweise reichlich um mich herum mit Garten und Wald vor der Haustür.Dafür bin ich sehr dankbar.

    1. Es ist sicher auch eine Frage der passenden Menge. Ein Museum rumpelt sich ja beispielsweise auch nicht die Wände mit lauter Kunstwerken voll, sondern ausgewählte Stücke. Die soll man dann auch sehen. Ich finde das eine ganz gute Orientierung.

  6. Ich liebe auch , wenn es grün ist. In der Nähe ist sogar eine Friedenslinde, ca. 350 Jahre. Im Nachbarort gabs auch eine, die musste in den 50-iger Jahre gefällt werden. Wenn ich ein Stück weiter gehe, bin ich sogar in einem Naturschutzgebiet . Weiter der Schönbuch, Schwäbische Alb, Schwarzwald.

    ich brauche Vorhänge, auch wenn ich im 2. Stock bin. Es nennt sich hier „ländlich geprägtes Wohngebiet!. Ich hab alles was ich brauche, und nach Stuttgart ist es nicht weit. Ich bin schnell im Grünen oder Äcker. Allerdings der Verkehr ist irre!

    Zimmerpflanzen habe ich wenig Platz, da ich keine Fensterbank habe. Ich hab noch den Schreibtischkalender im schicken 70-iger Jahre Orange, der bereits in meinem Kinderzimmer stand. Den brauche ich. Sonst hängen bei mir überall Bilder oder Uhren. Ja, fast in einem Raum eine Uhr! Ob da ein Teil weg könnte ? *denk*

  7. Sieht chic aus. Und wenn die Bilder von Natur Topfpflanzen ersetzen ist es klasse.
    Du kannst jederzeit die Tür hinter dir zu machen und verreisen und bei mir trocknet das Zeug dagegen vor sich hin ( mir ist noch nichts vetrocknet, draußen im Garten überleben die Topfpflanzen, aber sie leiden ).

    Die Grünstatistik ist interessant, aber ist sie auch direkt erfahrbar ? Ich meine Bäume an der Bundesstraße sind klasse, aber spazierengehen möchte man da doch eher weniger.
    Nach der Statistik unten steht Hamburg in Deutschland ganz oben nach der Formel Grünfläche pro Einwohner. Dabei sind auch Straßenbäume für mich ganz wichtig und mit Verlaub Stuttgart ist ein abschreckendes Beispiel, auch Saarbrücken, Nürnberg, Köln wirken bzgl. Straßenbäumen und Bebauung negativ , alles fürs Auto, alles weggeholzt. Etliches an Grünfläche ist in Stuttgart auch nicht wirklich zugängig oder an Hängen oder wie in Köln auf der anderen Rheinseite. In Süddeutschland sind die Straßen enger , die Bürgersteige schmaler als bei uns hier oben. Usw.

    https://mobil.mopo.de/hamburg/gruenste-staedte-der-welt-hamburg-schafft-es-in-die-top-ten–30067162?originalReferrer=https://www.hamburgportal.de/

    1. Bäume an der Straße sind wichtig – aber das ist halt auch kein Naturerleben. Wie die Bäume bei uns an der B1 – Bundesstraße. Schön, dass sie da sind, aber: Die B1 geht in die A40 über, nennt sich „Ruhrschnellweg“ – hier eher „Ruhrschleichweg“ wegen der vielen Staus. Jede Menge Autoverkehr, genau da hakt diese im Beitrag erwähnte Naturstatistik. Am Ruhrschleichweg kann man nicht ernsthaft spazieren gehen. Ansonsten gibts schon etliches, von meiner Wohnung aus muss man dann aber doch öfter mal einige U-Bahn-Stationen fahren.

      1. Das ist die topographische Lage geschuldet. Stuttgart selber liegt im Kessel, ferner Halbhöhenlage. Fliesboden. Dann die Filderebene, wo ich lebe. Fruchtbarer Boden und Ackerfläche. Da braucht man schon das Auto. Ferner auch die Verkehrspolitik. Stuttgart als Nabel der Welt. 3 Bundesstraßen gehen durch Stuttgart. B27, B14, B10, B265.

        Wir orientieren uns nach Stuttgart. Hamburg war ich einmal, so ganz anders. Vor allem flach! Vieles noch oberirdisch. Öffentlicher Verkehr super und günstig. Ich war in dem Musical und hatte schon Bedenken, wie komm ich so spät abends zurück ins Hotel? Kein Problem, sogar Überwachungskameras gibts und alles sauber und gepflegt.

  8. Ich mag es bunt und belebt, gleichzeitig finde ich reine Deko-Objekte lästig. Deshalb liebe ich Deko mit Mehrwert. Beispiele: Um in Winternächten die Kälte und an Sommertagen die Hitze auszusperren, habe ich für jedes Fenster bunte Gardinen genäht. Einfache Rollos vor den Fenstern wären mir zu karg. Ich benötige einen Kalender. Ein bescheidener Taschenkalender würde seinen Zweck erfüllen, stattdessen schmückt ein großer Fotokalender den Flur. Im Badezimmer nimmt ein dekoratives Keramikschälchen Kleinkram wie Zahnseide, Lippenpflege und ähnliches auf. Könnte auch in einer Schublade verstaut werden . Brot und Butter bewahre ich in einem bunten Brotkasten aus Blech auf. Dazu kommen in der Küche noch bunte Topflappen an einem Haken neben dem Herd und bunte Geschirrtücher griffbereit am Küchenschrank. Die Liste könnte ich noch ein bisschen fortsetzen. Wegen all dieser bunten Dinge könnte meine Wohnung niemals als Beispiel für Minimalismus herhalten.

    1. Es klingt aber trotzdem sehr schön. Und eine super Idee: Wenn man bunt mag, einfach bunte Nutzgegenstände. Es geht ja bei Minimalismus als Lebensstil nicht um Minimalismus als Designstil. Weniger Dinge, wie bunt oder nicht, ist da zweitrangig.

Comments are closed. Der Kommentarbereich ist geschlossen