Einfach wieder bei 1 anfangen

Die letzten Wochen waren schwierig. Deshalb war es hier auf dem Blog auch etwas ruhiger als üblich. Der Coronavirus hat mich bislang verschont. Aber die Gesundheit zickte hier und da, ich war sehr müde und ausgelaugt und bin es letztlich auch jetzt immer noch. Aber es geht bergauf und das hat einen einfachen Grund:

Etwas Simples tun

Achtsamkeit und Meditation in der ganz minimalistischen Form waren und sind wieder mal gute Hilfen, z.B. das simple Zählen von 1 bis 10, wie es in der ZEN-Meditation üblich ist. Sich auf nichts anderes konzentrieren, als bei jedem Atemzug zu zählen – immer von 1 bis 10. Dann beginnt alles von vorne – immer 10 Atemzüge lang.

Die eigene Meditationsform finden

Eigentlich kann ich mit der ZEN-Meditation nicht so viel anfangen. Die starren Rituale, die Körperhaltung, welche genau so oder so sein soll – nicht zu machen mit meinem gespaltenen Wirbelbogen. Mit meiner Wesensart auch nicht. Der kreative Geist lässt sich nunmal nicht weg meditieren. Daran ändern auch über 10 Jahre Meditation nichts, sollten sie auch nicht. Wichtig ist mir, regelmäßig den Stresspegel runter zu fahren, innere und äußere Klarheiten zu finden, auch in stürmischen Zeiten Ruhe zu behalten oder diese wieder neu zu entdecken.

Einfach wieder bei 1 anfangen

Und so entdecke ich wieder mal, wie befreiend es sein kann, sich wirklich mal nur auf so etwas vermeintlich stumpfsinniges, wie das Zählen von 1 bis 10 zu konzentrieren. Völlig egal, wie konzentriert oder unkonzentriert, wie ruhig oder aufgedreht ich im Augenblick bin, ob ich mich auf dem Sofa flätze, auf dem Stuhl sitze, im Bett liege oder Löcher in die Luft starre.

Wenn ich – gedankenverloren – nicht mehr weiß, bei welcher Zahl ich gerade beim Zählen war: Egal, einfach wieder bei 1 anfangen. Alleine dieser Teil ist schon eine lohnenswerte Übung: Immer wieder ganz von vorne anfangen. Schon dafür alleine lohnt es sich. Wenn – was auch immer – so gar nicht läuft: Wir müssen nicht perfekt sein! Einfach wieder bei 1 anfangen – genial, so etwas.

Jeder Atemzug ist ein Neubeginn

Eine Wunderpille ist dieses Ze(h)n-Zählen natürlich nicht (leider 😉 ), auf Knopfdruck funktioniert es auch nicht. Aber mit jedem Atemzug, den man wirklich wahrnimmt, lässt man genau für diesen einen Atemzug all den Stress, Unwohlsein, Unzufriedenheit, Gedankenkarussels oder irgendeinen Ärger los. Einen Atemzug lang mal raus aus Hamsterrad und Kopfkino. Und manchmal gelingt das dann sogar ein 2., 3. oder 4. Mal – wie phantastisch ist das! Und falls nicht: Wunderbar! Das ist DIE Chance, einfach wieder bei 1 anzufangen. Nutze Sie! Übung macht bekanntlich den Meister. Jeder Atemzug ist eine neue Chance, ein Angebot, ein Neubeginn.

 

Zum Weiterlesen:

 

Grüne Blätter von Bäumen mit dem Schriftzug: and breathe
Foto: Marc van de Oetelaar

14 thoughts on “Einfach wieder bei 1 anfangen

  1. Seit Tagen denke ich schon über den Satz „wieder bei 1 anfangen“ nach und kann keinen hilfreichen Aspekt darin erkennen. Beruflich und privat stecke ich in belastenden Situationen, die ich nicht will, die mir aber aufgezwungen wurden. (Nennt man wohl Schicksal.) Ich trete emotional immer wieder aus der Situation zurück, meditiere um mich von allem zu lösen und kehre anschließend in den Alltag zurück. Das sich die Probleme nicht ändern, ist mir völlig klar, aber auch meine Wahrnehmung der Situationen hat sich nicht geändert. ich konnte keinen neuen Ansatz finden um anders mit den Problemen umzugehen.
    Manchmal mag ein „wieder bei 1 anfangen“ hilfreich sein, aber für mich bringt es im Moment gar nichts.

    1. Hallo Violetta,
      für mich heißt „wieder bei 1 anfangen“, dass ich dann auch in eine komplett andere Richtung gehen kann. Also nicht immer das Übliche. Das ist natürlich leichter gesagt, als getan. Schauen, wo man den Pausenknopf drücken kann. Das kann auch ein Mini-Pausenknopf sein. Viele Mini-Pausenknöpfe bringen irgendwann die Veränderung. Achtsamkeit im Alltag bringt da nach meiner Erfahrung oft mehr, als die übliche Meditation. Man kann Alltags-Achtsamkeit nämlich überall einbauen, egal, was gerade so los ist. Für mich hat sich dadurch immer das meiste entwickelt und verändert. Hier ein paar Beiträge dazu: https://achtsamer-minimalismus.de/?s=Achtsamkeit+im+Alltag
      Kraft schöpfen, damit alles weiter wie vorher läuft, macht irgendwann keinen Sinn mehr. Alltags-Achtsamkeit sind da wie kleine Puzzle-Teilchen. Irgendwann wird das Bild erkennbar, aber es dauert schon eine Zeit.

  2. Hallo Gabi,

    vielen Dank für diesen Beitrag, in dem ich nicht nur sehr viel Weisheit finde, sondern gerade auch sehr passend für meinen beruflichen Alltag finde. In stressigen oder aufregenden Situationen erstmal tief durchzuatmen, praktiziere ich schon länger. Wieder bei Eins anzufangen, werde ich ab jetzt öfter umsetzen.

    Wie viel entspannter die Welt wohl wäre, wenn sich dessen alle Menschen auch in hitzigen Situation bedienen würden? Womöglich hast du uns die geheime Formel für Weltfrieden präsentiert. 🙂

    Lieber Gruß
    Philipp

    1. Hallo Philipp, letztlich sind das jahrtausende alte buddhistische Weisheiten, die ich einfach nur für mich entdeckt habe. Dazu muss man nicht mal Buddhistin sein. Zu Buddhismus habe ich gerade mal ein kleines Büchlein vor Jahren gelesen, die ganzen Zeremonien und Rituale sind mir komplett fremd. Ich wäre auch ein zu „bunter Vogel“ dafür.

      Spannend finde ich, dass dieses immer wieder bei 1 anfangen sehr viel Druck aus unserem ganzen überzogenen Leistungsdenken rausnimmt. Trotzdem bietet es die Chance, dran zu bleiben. Genial sowas. Entscheidend ist der nächste Schritt, nicht das ideale und hoch gesetzte Superziel am fernen Horizont.

  3. Einfach wieder bei 1 anfangen – einfach wieder vom Anfang an beginnen – einfach wieder neu beginnen, das beinhaltet auch sehr viel Philosophisches. Danke Gabi für dieses Thema. Sich getrauen, sich gestatten, sich zumuten in Lebensbereichen, im Verhalten, in Hobbies, in Tätigkeiten einige Usanzen auf den Kopf zu stellen und einfach wieder neu beginnen. Mit kindlicher Leichtigkeit ohne Vorprägung sich gestatten und zutrauen vielleicht ein geliebtes Musikinstrument spielen zu lernen, zu Zeichnen, Malen, Singen, Fotografieren, Stricken, Weben, Spinnen, Gärtnern etc.
    So übe ich manche Hobbies gerne aus. Nun ein Beispiel aus neuester Zeit. Milch und Eier wurden uns von einem Bauernsohn immer vorbei gebracht, doch wegen Corona blieb der Bauernsohn nun über die Woche ganz in der Ausbildungsstätte. So „muss“ ich nun seit ca. einem Jahr einmal pro Woche abends 18.30 Uhr so zwei mal 3 km über Feldwege und Wiese zum Bauer gehen und die Lebensmittel besorgen. Gut und warm angezogen, zu Fuss, ist das in der dunklen Nacht und bei Tiefschnee, bis 100 cm Schnee, ein tolles Erlebnis. Die Nachtlandschaft, entlang von Wald und Bach, bei Mondschein, Wolken und Schneefall, zum Hof in den Stall mit ca. 25 Kühen plus Rinder und Kälbern, einigen Katzen und Hühner im Stall und natürlich dem Hofhund der mich immer sehr freudig begrüsst und beschmust. Die heimelige Stimmung im Stall , den Tieren, der Duft von Heu, der Kontakt und den zahlreichen Streicheleinheiten mit den Tieren. Dazu ein Schwatz mit der Bäuerin und Bauer, und danach der heimelige Weg wieder nach Hause. Raus zu gehen ist eine Überwindung, doch dann ist es wunderschön, eine neue Erlebnisberichte Erfahrung, eine neue Tätigkeit, die ich nicht mehr missen möchte. Das Leben birgt meist Überraschungen, die es gilt anzunehmen und achtsam zu erleben. Das ist das Leben. Herzliche Grüsse aus dem Appenzellerland Schweiz.

    1. Da frage ich mich gerade, was da noch irgendwelche Abenteuerurlaube in Übersee sollen – was du beschreibst von deinem abendlichen Gang zum Bauern ist doch Erlebnis pur und das direkt vor der Haustür.

  4. Ich würde mir wünschen, mich nicht so reinzuschrauben in Themen. Dass ich besser Abstand halte und mich nicht so aufrege. In den Wechseljahren vermisse ich einen kühlen Kopf. Ich kenne ja nur frieren. Mir war nur warm in der Schwangerschaft. Man hat ein hitziges Temperament, wie sonst gar nicht mein Charakter ist. Wenn du da eine Technik weißt, Gabi.

    Früher hab ich mir immer eine Insel vorgestellt für ein paar Sekunden. „Minitrance“ nannte sich das im NLP. Beim Füttern (Baby am Arm greifen, wenn Augen zu). Später beim Hausaufgabenmachen. Ich war die entspannteste Mutter.

    „Mikrofrustrationen“ nenn ich das mit dem Corona. Ständig dauert etwas länger oder geht gerade nicht. Dabei geht’s mir hier ja gut. 50 m2 für mich allein.

    Gute Besserung, Gabi. Ich bin heuschnupfenfrei mit lavita. Fürs Immunsystem. Beginnt 80% im Darm. Einfache Dosis reichte. 1 Euro am Tag. Ist es mir wert. Kauf ich mir lieber, als Schuhe, die ich nicht anziehe.

    „Die Welt retten wir später.“ Den Satz klau ich mir mal. Ich liebe ihn. Und deine Kommentare, Sylvia. Mir sind nämlich gerade alle schweren Themen zu viel. Haltet durch. Alles Liebe für Alle.

    1. Eine direkte Technik bzgl. der Wechseljahre habe bzw. hatte ich auch nicht. Nehmen, wie es kommt, finde ich am passensten. Wenn man sich drüber ärgert, hat man nämlich 2 Probleme: die Wechseljahre und den Ärger darüber. Eins reicht. Das ist genau dieser Unterschied zwischen Schmerz (das, was gerade z.B. körperlich unangenehm ist) und Leid (mein Ärger darüber, sich in Dramen reinsteigern, deswegen depressiv oder aggressiv werden, etc etc.). Zumindestens diesen 2. Teil kann man versuchen, mal zu reduzieren oder idealerweise ganz darauf zu verzichten.

      Mit dieser Haltung bin ich gut gefahren und gut durch diese Zeit durchgekommen, war aber ehrlicherweise auch nicht so spektakulär bei mir. Da hatte ich vielleicht einfach Glück. – Na, dann ist einem halt mal wärmer, hat doch auch Vorteile – gerade in der kalten Jahreszeit. Vermutlich bist du ja selbst bei für dich hitzigem Temperament immer noch friedlicher als manch andere Zeitgenossen. Also was solls.

        1. Die oben beschriebene Unterscheidung zwischen Schmerz und Leid ist auch so eine uralte buddh. Weisheit – letztlich ebf. was sehr simples (wenn auch nicht immer simpel umzusetzen). Mir hilft das immer recht gut.

  5. Winter ist nur schön, wenn man nicht raus muss. 🙂

    Ich hab das Stricken wieder entdeckt. „stupides“ Patent-Muster. Das tut so gut! Doch es richtig, wir brauchen eine Struktur im Tag, wollen gebraucht werden und etwas tun. Genauso wichtig ist, wie wir geben, auch nehmen. Gucken, was wir brauchen und Kraft gibt.

    Für die einen ist die Meditation (egal ob wir das perfekt ausüben), für die anderen stricken oder ein Konzert hören, für die dritten was anders. Die Welt retten wir später. Schönen Tag! Laß es dir gutgehen!

    1. Ich liebe es, draußen zu arbeiten und zu sein! Ich arbeite mit Pferden und da spielt das Wetter fast keine Rolle… Aber; wenn ich dann abends auf dem Sofa sitze, stricke ich meistens! Stricken ist für mich auch eine Form der Meditation.
      Allen einen schönen sonnigen Tag! Ganz herzliche Grüße aus Hof in Bayern bei Schnee, Sonnenschein und minus 15 Grad!

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