Das digitale 33-Tage-Experiment – Teil 3: der Alltag

Eine Woche lang habe ich nun die Nutzung meiner Browser-Zeiten (Smartphone und Tablet) aufgezeichnet. Diese Zeit war mir am wichtigsten, da ich mit dem Internetbrowser nach meinem Empfinden zu viel Zeit verbracht habe. Mein Ziel war es, unter 2 Stunden zu bleiben, was mir dann auch gelungen ist. Die Bildschirmzeit wurde leider nur wochenweise aufgezeichnet. Daher hier gleich 2 Screenshots:

Meine Online-Wochenzeiten mit dem Browser:

Screenshot Browserzeit Durchschnitt 1 Std, 3 Min.Screenshot Browserzeit 48 Minuten

 

 

 

 

 

 

Ich ordne den Tagesdurchschnitt mal grob bei 1 Stunde am Tag ein. Das ist weniger Zeit, als ich es persönlich empfunden habe. Ich habe nicht bewusst „gespart,“ sondern lediglich in dieser Zeit mal nicht nur auf die Youtubefilme komplett verzichtet, sondern auch auf die diversen Nachrichten / News aus Politik etc.. Die Situation in der Welt bessert sich nicht, wenn ich mir alle möglichen gruseligen Szenen als Film anschaue. So etwas ist mehr negativer Trigger, als ich das ich davon wirklich informiert werde. Gerade Filme bleiben sehr im visuellen Gedächtnis hängen. Hier denke ich gerade darüber nach, mir lieber ab und an eine Tageszeitung bzw. Wochenzeitung zu kaufen bzw. mir sinnvollerweise einen Büchereiausweis zu besorgen, hierüber kann ich dann auch diverse Zeitungen lesen. Inhalte erfasse ich so besser, ohne davon zu sehr getriggert zu werden. Außerdem ploppt in der Zeitung keine Werbung mitten im Bild auf, werden mir nicht anschließend x-fache Alternativen angeboten, starten die Filme nicht automatisch und ungefragt, muss ich keine Cookie-Meldung weg klicken, etc.. Im Internet finde ich es inzwischen endlos nervig, mich über diverse tagesaktuelle Ereignisse zu informieren. Hierauf zu verzichten, ist eine große Entlastung. Radio wäre auch eine passende Alternative, kommt bei mir aber wegen meiner Höreinschränkung nicht in Frage, da zu anstrengend für mich.

Youtube-Filme lasse ich wie geplant die kompletten 33 Tage weg. Ideen wie ich danach damit umgehe, konstruieren sich so langsam in meinem Kopf, aber sind noch nicht endgültig. Meine wesentlichen Stellschrauben bzgl. des Onlinekonsums mit dem Browser und was ich dort weg lasse, habe ich damit nach nun 13 Tagen Gesamtzeit meines digitalen Experimentes gefunden. Alle anderen Sachen, die ich mit dem Browser mache, sind zweitrangig. Daher werde ich das auch nicht mehr gezielt zeitlich erfassen, da mein Ziel in dem Fall ja bereits erreicht ist und ich weiß, welche Bereiche es sind, die meinen Onlinekonsum in die Höhe treiben . Das ist sehr entlastend.

Offlinezeiten – Auszeiten

Die Anfangszeit war wie schon mal beschrieben, schon etwas schwierig, da ich noch sehr aufgedreht war und ständig an der Funktion der Bildschirmzeit herum gebastelt habe. Das legte sich aber relativ schnell. Seit 1 Woche ist in dem Bereich Ruhe drin. Ich habe da sicherlich auch den Vorteil, dass mich digitale Spiele (online oder offline) wirklich überhaupt nicht interessieren, auch bin ich nicht in irgendwelchen sozialen Netzwerken aktiv. Für die Kommunikation nutze ich neben Telefon und Videochat noch SMS, Email und den Messengerdienst des Apple-Gerätes. WhatsApp ist schon lange Geschichte, Telegram, Threema und Signal habe ich auch nicht mehr. Im Vergleich zu früher sind meine vorhandenen Kommunikationswege bereits endlos vielfältig. Ich finde das reicht dann auch, ich muss nicht jede App in diesem Bereich installieren.

Komplette Offlinezeiten bzw. Auszeiten festzulegen finde ich wichtig. Abends waren die Geräte in der Regel ab 20 Uhr aus. Ich war dann nur noch für ganz wenige Menschen über Telefon, SMS und Videochat eine zeitlang erreichbar. Das brachte eine Menge Ruhe in die Abendgestaltung. Morgens habe ich darauf geachtet, die Geräte nicht vor Beendigung des Frühstücks einzuschalten. Habe ich vormittags gearbeitet, habe ich maximal morgens mal kurz nach dem Wetter oder evtl. Fahrplan geschaut, ansonsten waren die Digitalgeräte bis mittags bzw. nachmittags aus. Am Wochenende bzw. freien Tagen habe ich darauf geachtet, dass ich ebf. nicht vor Beendigung des Frühstücks Smartphone oder Tablet einschalte.

Zeitliche Anpassungen

Meine ursprüngliche Idee, von 20 Uhr bis 8 Uhr die Digital-Geräte aus zu lassen, ist schön, aber je nach aktueller Situation auch nicht immer passend. Manchmal bin ich abends noch unterwegs, brauche mal den ÖPVN-Fahrplan für evtl. Verspätungen, manchmal die Karten-App, das 9 Euro-Ticket, usw. – Morgens ist es ähnlich. Ich habe zwar eine Teilzeitstelle, allerdings mit wechselnden Arbeitszeiten, private Abläufe und Termine ändern sich ja auch schonmal. D.h., mein täglicher Zeitablauf verändert sich immer wieder. So lange ich berufstätig bin, wird sich das auch nicht ändern. Trotzdem ist es ja wichtig, dass es regelmäßige Offlinezeiten gibt, dass abends die Geräte rechtzeitig aus und morgens nicht zu früh angeschaltet sind. Die grobe Orientierung, abends die Geräte möglichst früh auszuschalten und morgens nie vor dem Frühstück zu benutzen, scheint aber tatsächlich auszureichen. Ich werde das aber mal weiter beobachten. Mir geht es hier ohnehin nicht um eine kurzfristige Challenge. Die ist beeindruckend, aber meistens landet man hinterher wieder genau da, wo man vorher auch schon war. Ich nutze diesen längeren Zeitraum vorrangig deshalb, um heraus zu finden, wie eine realistische und dauerhafte Lösung im Alltag funktioniert.

Meine sonstigen Erfahrungen, Überlegungen und Ausblicke

Erfreulich ist, dass ich nach 1 1/2 Wochen meines 33-tägigen digitalen Experimentes inzwischen sehr gut und relativ schnell spüre, wann mir die digitalen Geräte zu viel werden. Dann ist es eine große Entlastung, sie auszuschalten und in der Schublade zu verstauen. Das ist sehr erfreulich.

Aktuell ist zudem in Überlegung, dass ich mein iPad wohl abgeben und gegen ein Gebraucht-Laptop eintauschen werde. Das Smartphone ist bei mir überhaupt kein „Sucht-Gerät“, mit dem 4,7 Zoll-Bildschirm auch recht klein. Beim iPad ist das anders. Ich habe ein iPad der Pro-Variante (gab vor 2 Jahren mal sehr günstig, als außerdem noch die Mehrwertsteuer reduziert war). Das Gerät ist schön bunt, schön schnell, schön groß – letztlich viel zu animierend für mich. Es ist zu einfach und zu komfortabel. Ich kann viel zu einfach mal eben schnell rein schauen und mich darin verlieren. Verrückt, dass ich ein Gerät abgebe, weil es zu gut funktioniert, aber es ist so. Der Laptop ist optisch viel weniger ansprechend, einfach nur funktional, muss jedes Mal erst hoch gefahren werden. Das reizt mich viel weniger. – Aber wie sich das alles weiter entwickelt, wird sich zeigen – davon dann beim nächsten Mal.

8 thoughts on “Das digitale 33-Tage-Experiment – Teil 3: der Alltag

  1. Spannend liebe Gabi, vielen Dank für das Mitteilen Deiner Gedanken und Erfahrungen. Ich bin genau so ein Exemplar, wie beschrieben: ich verbringe unheimlich viel Zeit im Internet und bin dadurch total überreizt. Es fällt mir richtig schwer, den Laptop oder das Handy wegzulegen obwohl mein Nervensystem davon auch immer total überreizt wird. Bei mir besteht definitiv ein Spannungsverhältnis zwischen Überreizung und Abhängigkeit von dieser ständigen Reizüberflutung. Dein „Experiment“ zeigt mir das wieder einmal deutlich. Ich hab nun die kritischen Apps vom Handy deinstalliert und werde mich langsam in meinem Thema damit auseinander setzen, wie ich mich von dieser Überreizung verabschiede. Ich habe nämlich ein extrem hohes Bedürfnis nach Reizarmut und Stille. Schon paradox!

    1. Ja, das kommt mir in der Tat auch sehr bekannt vor – leider gibts da ja auch keine Patentrezepte. Grundsätzlich mag ich es aber auch lieber, schrittweise zu schauen, lieber etwas langsamer, aber dafür dauerhaft und nicht von jetzt auf gleich alles auf den Kopf zu stellen.

  2. Wenn ich mein Laptop nicht brauche, steckt es zusammen mit Maus und Stromkabel in einer Tasche. Die Tasche wiederum verstaue ich in einer Schublade, für die ich mich bis zum Boden bücken muss. Diese „Aus den Augen, aus dem Sinn“ – Taktik verhindert bei mir den gedankenlosen Gebrauch von Internet und Co.. Will ich etwas tatsächlich wissen, ist es mir die Mühe wert, das Laptop herauszuholen und zu aktivieren. Für ein -ich weiß gerade nicht, was ich tun soll-, ist mir der Aufwand viel zu groß und das Laptop bleibt in der Schublade.

  3. Hallo Gabi,

    es ist einfach schon gut, wenn man sich damit beschäftigt und reflektiert, was man da tut. Ungebremster Internetkonsum ist doch wie Rolltreppe fahren im Shoppingcenter. Du guckst und wirst blöde dabei. 😉

    Warum manche WhatsApp oder Signal übrigens als „soziales Medium“ einstufen erschließt sich mir nicht. Das ist eigentlich nichts anderes als komfortables Email und nicht zu vergleichen mit Facebook oder YouTube, wo Links und Werbung aufpoppen. Bei uns wird über Messenger nur kurz geschrieben oder auch ein Bild geschickt. Das würde über Email genauso passieren, aber viel ätzender.

    1. Ja stimmt. Das sind genau genommen zwei komplett verschiedene Sachen: Social Media und Messenger. Keine Ahnung, warum das für mich auch immer zusammen gehört. Es ist genau genommen unlogisch.

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