Optimal

Denke ich über meinen Lebensstil nach, bemerke ich recht schnell, dass es mir letztlich weder um viele, noch um wenige Dinge geht. Eher um das optimale Maß an Dingen. Doch, was ist überhaupt optimal?

Wenig suchen und aufräumen

Wenn es irgendetwas gibt, worauf ich wirklich überhaupt keine Lust habe, dann ist es aufräumen und Dinge suchen. Vollgestopfte Schränke und Schubladen, die ich ständig durchsuchen und aufräumen muss, sind mir ein Greuel. Also so etwas wie: Schrank aufmachen, kramen und suchen, dabei fällt irgendwas erstmal aus dem Schrank raus. Das ist mir viel zu viel Arbeit. Optimal ist: Auf das Wesentliche beschränken und dann: Schrank öffnen, Ding sofort sehen, raus nehmen, fertig.

Keine Staubwisch-Orgien

Voll gestellte Flächen staubwischen ist auch so etwas, was ich nicht mag und deshalb vermeide. Als Hausstaub-Allergikerin ist es schon fast der gelebte Horrortripp, ständig allen möglichen Krams abstauben zu müssen. Da bin ich lieber bequem. Deshalb: Wegräumen, abstauben, wieder hinstellen – nein danke. Optimal ist: die Fläche ist frei. Einmal drüber wischen, fertig.

Technik-Klimbim vermeiden

Technische Geräte – egal welche – finde ich durchaus faszinierend. Ich kann in Geschäften an jedem T-Shirt-Ständer entspannt vorbei gehen, interessiert mich kein bisschen. Aber die ganzen Technikabteilungen sind schon eher was für mich. Trotzdem lasse ich inzwischen möglichst viel Technik-Klimbim weg. Die Sachen gehen zu schnell kaputt, aber darüber habe ich ja schon häufiger etwas geschrieben. Optimal ist in diesem Fall: Die technischen Klimbims anschauen, (vielleicht) schick finden, stehen lassen und freuen, dass ich mich mit dem Ärger, den dieses Teil absehbar irgendwann hervor rufen wird, nicht herum plagen muss.

Optimale Achtsamkeit

Selbst die Achtsamkeit mit ihren vielen Varianten und Übungen nutze ich möglichst optimal. In meinem Fall bedeutet dies, mich an meine körperlichen Möglichkeiten und Grenzen zu orientieren: Langes Sitzen in einer Sitzmeditation geht mit meinem Rücken nicht, schon gar nicht, ohne Rückenlehne. Aber man kann auch bequemer und kürzer sitzen, liegen, gehen, sich insgesamt achtsamer durch den Alltag bewegen. Optimal ist für mich daher der achtsame Umgang mit der Achtsamkeit mittels der Frage: Tut mir das, was ich gerade mache, wirklich gut?

Optimale Unabhängigkeit

Alles ist ja bekanntlich relativ, auch die Unabhängigkeit. Als Bewohnerin einer Ruhrgebietsmetropole war mir das Auto zu sehr ein Klotz am Bein. Daher ist es optimal für mich, dass ich kein eigenes Auto mehr benötige. Die meisten Wege lege ich inzwischen zu Fuß zurück, seit längerem habe ich nicht mal ein ÖPNV-Monatsticket.
Auch der Aufwand, jahrzehntelang für eine Immobilie einen Kredit an die Bank zurück zu zahlen, wäre für mein Gehaltsniveau zu viel Einengung, zu viel Verpflichtung und Druck gewesen. Jahrzehntelang als Sozialpädagogin bei zunehmender Arbeitsverdichtung Vollzeit arbeiten zu MÜSSEN, wäre ein Horrortrip an Überlastung geworden.

Optimal Wohnen

Kaum nachvollziehbar ist für mich der Trend des Nomadentums und leben mit einem Rucksack oder 2 Koffern. Was für ein Aufwand, sich immer wieder Schlafplätze zu suchen, sich Gedanken zu machen, wo und wie man essen, Kleidung waschen oder das Smartphone aufladen kann. Und wenn man genug hat vom Nomadentum, dann eine Wohnung zumindestens wieder halbwegs einrichten – so etwas wäre mir alles viel zu aufwändig. Optimal wohnen heißt für mich: Nicht maximal groß, nicht extrem klein. Eher: Ich habe wenig Aufwand mit dem Wohnen und es ist ÖPNV in der Nähe.

Optimal ist für jede/n anders…

Generell optimal finde ich es, wenn nicht alle und alles über einen Kamm geschoren wird. Menschen sind unterschiedlich, Lebenssituationen und Lebensphasen sind ebenso. Für mich ist eine Lösung dann optimal, wenn damit eine gewisse Bequemlichkeit und Einfachheit verbunden ist. Welche Varianten und Möglichkeiten sind für euch optimal?

 

Foto einer nur teilweise sichtbaren Person, die eine Tasse festhält mit der Aufschrift: A simple Life
Foto: Easton Oliver

28 thoughts on “Optimal

  1. Optimal ist für mich wenn sich Gemütlichkeit und Unkompliziertheit miteinander vereinbaren lassen.Da denke ich zunächst rein optisch an mein Zuhause.Aber auch an Begegnungen mit anderen Menschen.Bin noch auf dem Weg vieles herauszufinden und habe erst vor kurzem begonnen im Äußeren zu entrümpeln.Beim Zusammentreffen mit anderen Menschen weiß ich es mitlerweile zu schätzen wenn nicht so viel auf Etikette Wert gelegt wird,sondern auf Gefühl und Wertschätzung.

  2. Ich konnte bei jedem Punkt zustimmend nicken… bin seit ein paar Monaten grade im Umbruch und entrümpele mein komplettes Leben in allen Bereichen.
    Nächstes Jahr möchte ich mich wohnungstechnisch gerne verkleinern. Ich guck zwar jetzt auch schon mal, aber das Richtige war bisher noch nicht dabei. Die Zeit bis dahin nutze ich weiter, um zu schauen, was ich wirklich brauche und was nur Ballast ist. Mich drängt ja nichts…
    Wenn ich mich verkleinert und vergünstig habe, kann ich vielleicht auch endlich in Angriff nehmen, weniger zu arbeiten.
    Derzeit arbeite ich Vollzeit 40,-/Woche. Unter der Woche bin ich abends meistens zu platt, um noch irgendwas zu unternehmen oder für mich zu tun. Das kann definitiv nicht mein Leben sein, bzw. möchte ich das nicht bis zur Rente weiterhin so betreiben und nur für die 2 Tage am Wochenende leben.
    Bin gespannt, wo die Reise noch hingeht…

    1. Das wäre interessant, in einem Jahr von Dir zu hören wo die Reise hin ging. Bzw. Wohin und Wie Weit Dich Dein Weg in 12 Monaten geführt hat. Liebe Grüße und schönen III. Advent!

  3. Gelegentlich bezeichne ich mich ja bewusst als Menschen mit Optimierungswahn – das kommt nicht von ungefähr.

    Optimale, also effiziente, Nutzung von Objekten spielt auch eine wesentliche Rolle bei der Anschaffung: Wie oft nutze ich etwas tatsächlich? Steht es nicht den Großteil der Zeit einfach nur rum? Lohnt sich dann die Anschaffung überhaupt?

    Das lässt sich freilich auch auf alles anwenden, das man bereits besitzt oder von dem man bereits besessen ist.

    Lieber Gruß aus Berlin
    Philipp

  4. Oh, wie wahr. Habe neulich bei der Arbeit eine neue Hauswirtschaftskraft in einer unserer betreuten WG eingearbeitet und war von der vielen Deko genervt. Beim nächsten Mal dachte ich nur: Oh nein, nicht noch mehr Deko! Die Kollegen hatten den Weihnachtsschmuckwahn……

  5. Ich frage mich bei vielen Sachen: Dient diese Ding mir und meinem Komfort, oder muss ich mich um diese Ding kümmern? Manchmal ist es die Menge, die über diese Frage entscheidet. Ich möchte z.B. Schuhe / Sandalen an den Füßen tragen, aber es dürfen nur so viel Paare sein, dass sie bequem nebeneinander in das Schuhregal passen. Sobald ich soviel Paare hätte, dass ich nicht mehr in einer halben Sekunde entscheiden könnte, welche ich anziehen, oder die Schuhe stapeln müsste, hätte ich zu viele.

  6. Liebe Gabi, du sprichst mir aus dem Herzen. Seit vielen Jahren ist mein Motto „weil einfach einfach einfach ist“ ( Werbespruch eines Handyanbieters). Ich würde mich nicht als Minimalist bezeichnen, sondern eher als Simplifyer. Weniger Sachen = weniger Arbeit und weniger Ärger.
    Ich überlege eigentlich immer, wie ich möglichst viel einfach und optimal für meine Bedürfnisse machen kann. Das fängt bei der Wohnungsausstattung an und hört bei Hausarbeit und Essen auf. Man kann so natürlich auch eine Menge Geld sparen, wovon ich mir dann Sauna, Fitnessstudio, ab und zu mal Essen gehen mit Freunden, Veranstaltungen, Ausflüge etc. gönne. Das tut der Seele gut und ich finde als Rentner darf man das nach einem harten Arbeitsleben.
    Ich bin letztes Jahr vorzeitig mit 10,2 % Abzug in Rente gegangen und bereue es nicht. Man kann sich mit weniger Geld sehr gut einrichten, wenn man nicht zu grosse Ansprüche hat.

  7. Das nervt! Ich hab gerade staubgesaugt, bevor die Nachbarn wieder meckern. Da darfst nicht mal Sonntag nachmittag um 17 Uhr was klopfen. Irgendwann will selber mal sauber haben.

    Was nervt, weil alles herumsteht. Ich hab gestern nicht geschafft, die Kartons wegzuräumen. Es wird früh dunkel und gefriert. Da mag ich nicht mehr raus.

    1. Sylvia, wenn ich Deine Posts immer so lese, möchte ich am liebsten auf ne Tasse Tee oder Kaffee zu Dir rum kommen, mit Dir die Bude auf Vordermann bringen und anschl. ’ne halbe Stunde Yoga oder so was machen. Ich habe den Eindruck, dass du immer total im Druck bist. Ich wünsche Dir, dass Du Zeit & Muße findest, „runter zu kommen“. Liebe Grüße aus Erfurt!

  8. „Es ist nicht perfekt, aber lustig.“ Der Spruch hat mir die Woche gut gefallen. Ich will dem Optimalen gar nicht mehr hinterherhecheln. Optimierungsfalle.

    Alles unter 4 kg, das in die Mülltonne passt. Ist für mich optimal. Mehr will ich gar nicht mehr tragen. Außer ein Enkelkind.?

    Im Kopf war ich campen diese Woche. War für mich der Horror. Alles hat seine Zeit. Die Bedürfnisse ändern sich.

    Man flüchtet in Urlaub, weil das Zuhause eine Baustelle ist. Viele verschätzen sich beim Aufwand, ein Haus zu sanieren. Kraft × 3 und Geld × 2 rechnen. Da bin ich froh, dass ich zur Miete wohne. So. Genug gelästert.

    1. Optimieren tue ich auch nicht mit Gewalt, das kommt von ganz alleine mit der Zeit.

      Momentan bin ich auch so, es muss leicht sein, ich muss das Teil alleine bewegen können, ohne Aufwand. Da gibt es noch viel Optimierungsbedarf, aber wie gesagt, nach und nach.

      Haus – das hab ich ja durch, mit dem sanieren. Eher Kraft x 10, Nerven x 20 und Geld – Faß ohne Boden…

  9. Hoffentlich staubt niemand wirklich ab. Entweder nass abwischen und da wo es nicht geht absaugen ( geht auch gut in Schubladen, Ecken , auch auf Büchern. Abstauben mit dem Staubwedel nur in Ausnahmefällen, da wird ja nur verteilt und geht in irgendwelche Ritzen rein oder die Raumluft und wird nicht entfernt.

    1. Seit ich meinen tollen Staubsauger hab, sauge ich auch alles ab, was geht. Wir haben den jetzt schon mindestens 6 Jahre und mit fast 200 € war das ne Riesenausgabe, aber seitdem liebe ich den Staubsauger. Vorher hatten wir welche ohne Beutel und die hatten nie genug Saugkraft. Meine sparsamen Großeltern haben mir den empfohlen.

      Die hatten ihr ganzes Leben kein Auto, immer nur 1 Gehalt, und sind dadurch aber gut über die Runden gekommen. Keine riesigen Ansprüche, aber glücklich und zufrieden mit ihrem Leben.

  10. Beim Abstauben merkt man, dass man zu viel Krempel besitzt. Mich hat das irgendwann auch so genervt, dass ich fast alles an Deko entsorgt habe. Jetzt wird über leere Flächen gewedelt und nur wenige Lieblingsteile müssen mal angehoben werden. Ganz wunderbar. ?
    Technik Klimbim war noch nie mein Problem. Mit solchen Zeug bin ich nicht kompatibel. Man könnte auch sagen, ich stehe damit auf Kriegsfuß. ? Ich liebe Dinge ohne Stecker und beschränke mich nur auf das, was ich wirklich benötige. Ohne mein Tablet möchte ich nicht sein.
    Und auch sonst halte ich es in den meisten Dingen, wie du es schreibst. Einfach gut durchstrukturiert und übersichtlich. Da noch ein Kind im Haushalt lebt, was vom Minimalismus weit entfernt ist, gibt es natürlich noch Kompromisse, die ich eingehen muss. Aber halb so schlimm, dafür hat das Kinderzimmer ja eine Tür. Die man schließen kann, damit das kunterbunte Chaos auch schön dort drin bleibt. ?

    1. Kinder sind da ja schon mitunter eine Herausforderung, da man hier ja auch das richtige Maß finden muss. Wenn Zeug aus dem Kinderzimmer sich nicht permanent in der gesamten Wohnung verteilt, ist schon sehr viel erreicht.

  11. Die Kollegin ist offiziell freitags nicht da. Was war? Einer ist plötzlich gestorben, der andere kurz danach in Rente. Sie hatte einen großen Teil übernommen und Freitag gekommen. Sie hatte schon Frühjahr wieder fast 100 Überstunden. Im Augst eine Übernahme, da war sie auch da. Teilweise über 12 Stunden. Die Nacht und Wochenende. Ist jetzt über 60. Lange macht sie das nicht. Wahl hat sie auch nicht, der Laden steht. Es ist vor 1 – 2 Jahren ein neuer gekommen, aber der keine große Hilfe. Ferner Elternzeit usw.

    Bei mir selber. Ich hatte vorher eine Kollegin. Die Schwesternfirma wurde aufgelöst, seither bin ich alleine. In der Firma bin ich nun 30 Jahre. Mal sehen. Gehaltserhöhung oder gar reduzieren ist schwierig im Moment.

    Eine Wohnung kaufen will ich auch nicht. Nicht weil die Preise sich verdoppelt haben. Man ist doch gebunden. Ich fahr lieber in den Urlaub, mach Kurse oder Hobbys. Ich spende auch und beteilige mich. Zahl gut Steuer. Spare fürs Alter! 😉 Ich hab mein Auskommen. d. h. für mein Beruf verdiene ich sogar zu wenig. Das ärgert mich. Denk dran, bist arbeitslos 60 % vom Nettogehalt. Kurzarbeit, das sind gleich 200 Euro weniger. Das letzte Jahr vor der Rente zählt. Seit über 10 Jahren 0-Zinsen. Langfristig Planen ???

    1. Hallo Sylvia, das letzte Jahr vor der Rente zählt NICHT mehr oder weniger, als jedes andere Jahr auch. Das ist lange vorbei, dass die letzten Arbeitsjahre vor der Rente besonders zählen. Positiveffekt: Da muss man sich zum Ende hin nicht „kaputt malochen“.
      Jetzt wird gerechnet:
      Eigenes Bruttoeinkommen : Durchschnittsbruttoeinkommen = Anzahl Rentenpunkte.

      1 Rentenpunkt ergibt z.Z. 34,19€ brutto. Rentenpunkte mal zusammen rechnen und dann weiß man schon mal, wo man bei der eigenen Bruttorente steht.

      Die Rentenversicherung informiert recht gut darüber:
      Allg. Rechner: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Rente/Allgemeine-Informationen/Wie-wird-meine-Rente-berechnet/wie-wird-meine-rente-berechnet_node.html
      Etwas genauer informiert: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/national/rente_so_wird_sie_berechnet_alte_bundeslaender.pdf?__blob=publicationFile&v=11

      1. Das stimmt so nicht. Das letzte Jahr zählt. Meine Kollegin hatte vor ihrer Schwangerschaft geflucht, insbesondere wegen der Rente. Die Punkte, man geht von einer Erhöhung von 2 % aus. Wer hat das schon? Die jährliche Hochrechnung, das wird nicht mehr.

        Genug gelästert. Ich hab eine gute Altersvorsorge. Bereits vor der 0-Zinsen. Als Taschengeld die gesetzliche Rente. Überall will man das kündigen und drücken. Ich hatte noch das Glück, eine Betriebsrente zu bekommen. So was gibts schon lange nicht mehr.

        Ich hab ein Beruf, der ist aufwendig. Wenn ich nicht aufpasse, es ist wirklich so, daß es immer mehr zum 24 x 7 Tage-Job wird. Du weißst wie es im Moment aussieht. Da etwas ändern, das ist unklug. Arbeit ist nicht alles. Ich guck sehr im privaten Bereich. Da vor allem lebe ich.

        Ich beobachte viel. Mir ist aufgefallen, bei einem Kollegen, der sich mehr zurückzog, weil ein Kollege , der selbständig war, nicht sein Vertrag verlängert wurde. Aufgrund der Insolvenz hatte er sogar 2 – 3 Monate unbezahlt gearbeitet; seine Forderung ging in die Insolvenzmasse. Inzwischen konnte man ihn wieder zurückbekommen. Seither der Kollege wieder „umgänglicher“.

        Selber hatte mich auch geärgert. Die letzte Release-Umstellung. Es kam eine Woche ein Berater, das wars. Vieles blieb an mir hängen und ich durfte mich durchkämpfen. Bei der Übernahme sind wir morgens um 6 Uhr an einem Feiertag angewackelt. Frühstück gabs später, das wars. Aber Zeit dafür war nicht. Ich bin um 16 Uhr gegangen, die Kollegen hatten noch weiter gemacht. Keiner hatte eine Pizza bestellt! Es war viel zum Nacharbeiten. Wir finden immer noch was, was schief hängt. Das war schon anders.

        Wir sind einfach zu wenige. Nur einer kennt sich mit einem Bereich aus. Neue Leute bekommen wir nicht. Altersdurchschnitt 55 . In der ehemaligen Schwesterfirma älter.

        Ja, ab August letzten Jahres wurden wir von einer anderen Firma übernommen. Nun seit Februar Corona. Ich war auch bei einem Coach. Sie riet mir, abzuwarten. Kontakte knüpfen und die Augen offen halten.

        Viele Kollegen sind abgworben worden. Doch da sieht es gar nicht gut aus. Überall werden Leute abgebaut. Ich müßte etwas völlig neues machen, was ich nicht möchte. Ich mag meinen Beruf.

        Allein wegen der Rente mache ich das nicht, sondern wir die Arbeit Freude macht.

        1. Das System ist leider kompliziert. Es braucht, bis man da halbwegs durchblickt. Da muss bei deiner Kollegin was anderes gewesen sein, vermutlich eine Hochrechnung – steht in der ausführlichen Variante (Rentenauskunft – nicht Renteninformation) unter „zukünftige Anpassungen“ drin. Bei 1% Erhöhung, bei 2 % Erhöhung…

          Tatsächlich ist es so: Zum letzten Jahr hier direkte Infos von der Quelle zum Thema:

          Rentenirrtümer: „Die letzten Jahre vor der Rente sind besonders wichtig!
          Das ist nicht richtig. Die Rentenhöhe hängt nicht von den Einzahlungen Ihrer letzten Arbeitsjahre ab, sondern resultiert aus Ihrem gesamten Versicherungsleben. Sollten Sie vor der Rente am meisten verdienen, sammeln Sie in den letzten Jahren auch die meisten Entgeltpunkt.“

          Quelle: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Rente/Allgemeine-Informationen/Wissenswertes-zur-Rente/Rentenirrtuemer/rentenirrtuemer_node.html

          Sprich: die meisten Punkte gibts am Ende nur dann, wenn man zu diesem Zeitpunkt auch am meisten verdient…

  12. Prima! Meine Arbeit kann ich nicht reduzieren, ich weiß auch nicht wie es weitergeht. Aber offiziell noch 12 Jahre, das geht vorüber. 😉

    Seit März sind wir im Homeoffice. Das ist wunderbar. Jetzt im Winter morgens nicht raus müssen, herrlich. Termine wahrnehmen, wie um 12 Uhr Augenarzt oder 15:30 Uhr beim Hausarzt. Morgens um 8 Uhr zur Blutabnahme oder kurz zur Apotheke? usw. Das ohne einen Tag Urlaub zu opfern! Ich war im Sanitätsladen, man früh morgens kommen. Um 9 Uhr öffnen sie.

    Aber: ich würde gerne die Kollegen wieder sehen. Man ist schnell vom Informationsfluß ausgeschlossen. Ein Kollege feiert bald seinen Ausstand und geht in Rente.

    Kennst ja auch. Ich steh im Laden, überlege mir, was ich brauchen könnte. Bis ich wieder in den Laden schaffe. Immer auf Verdacht einkaufen, das ist aufwändig und teuer. Habe ich Urlaub, ich brauch nicht solche Gedanken. Wider erwarten geh ich nicht öfters. Das ist der Streß bei der Arbeit, weil man den Tag nicht frei einteilen kann.

    Elektrogeräte, ich mag die. Aber die sind völlig kompliziert. Was macht man mit dem Handy? Es wird immer mehr und mehr vorausgesetzt. Ich brauch es für unterwegs, im Notfall. Wenn ich anrufen muss untertags, zu den Bürozeiten. Viel lieber würde ich zuhause telefonieren. Das stresst wieder. Ohne den Computer, ich habe die Bestätigungungen für die Kündigungen gescannt und vermailt. Sonst: kopieren (im Copyshop) und zur Bank bringen. Letzten Umzug, die Adressänderungen war in 20 Min. erledigt. Steuermist, in einer guten Stunde und einfach senden, statt nach Stuttgart fahren usw. Als Beispiel.

    So sehr es erleichtert, desto aufwändiger und komplexer ist es. Es sind auch Arbeitsplätze, die verschwinden.

    Für mich das Tablet Luxus. So brauche ich es nicht. Für den Urlaub hatte ich das mal gedacht, immer mehr Hotels haben WLAN. Oft recht holprig. Mal nach einer Sehenswürigkeit googeln, deren Öffnungszeiten, Bus-Verbindung, wo das ist. Das Wetter. Ich nehm es auf dem gemütlichen Sofa. Viele Apps gibts. Vllt. Fitneßvideos. Emails checken. Mein Gehaltszettel kommt auch elektronisch.

    Auto. Zu den Bürozeiten kommt man gut herum. Umsteigen wird schon schwieriger. Es ist irre der Verkehr hier. Öffis sind nicht zuverlässig und einer der teuersten. Ohne Auto geht es nicht. Was einkaufen oder wegfahren. Manchmal fühle ich mich im Auto sicherer. Für mich lohnt es nicht, ein eigenes Auto. Carsharing ist erst im Kommen.

    Eine Alternative zum Eigentum könnt auch Leihen sein. Aber leider nicht so verbreitet.

    Mich nervt auch, wenn alles herumsteht. Doch die Zeit und Kraft habe ich manchmal nicht. Jahre habe ich über die kaputten Thermojeans geärgert, aber kein Ersatz gefunden. Einmal hatte ich schon alles weg und musste dann mit Söckchen durch den Winter. Perout habe ich keine Kniestrümpfe bekommen und mich geärgert. Ich heb vieles auf, weil ich nicht weiß, ob ich Ersatz bekomme. Das ist manchmal wie verhext.

    Ich hab schon überlegt, ob ich die Sommerjacken zur Reinigung bringe.

    1. Wir haben die Handschuhe im Sommer gewaschen , die dicken Jacken schon vorher und dann alles wieder verstaut , nur ein bisschen könnte aussortiert werden. Ersatz für Handschuhe ist nicht immer leicht.

      1. Das stimmt. Ich hab gestern die Balkonkästen neu bepflanzt. Die Margariten sind alle erfroren. Es war ziemlich kühl, da wäre Handschuhe gut gewesen. Ich hab später gelesen, Christrosen wären giftig.

        Für den Balkon, was zieht man an? Ich habe eine Fleecejacke und Sandalen, weil man einfacher rausschlüpfen kann. Ging, der „Brüller“ war es nicht.

        Ich hatte mal einen Gemüsegarten über einen Sommer. Da fängt es an. Erstmal wie kommt man hin. Es war schon im Mai nass. Finde mal Gummistiefel! Evlt. kann man die in der Hütte lassen, doch die sind innerhalb des Geländes. Bis es endlich abgetrocknet war, stand das Unkraut meterhoch. Bekam noch Rüffel dafür. Im September wird schon abends früh dunkel.

        Ich habs leider aufgeben müssen. Nur wegen den Schuhe??

  13. Das hast du gut zusammengefasst Gabi. Vor allem die Sache mit dem Abstauben… früher hatte ich sehr viel Deko und es war ein richtiger Akt alles abzubauen nur um Staub zu wischen. Was die Arbeitszeit angeht, habe ich eine Genehmigung erhalten, dass heißt ich kann jetzt auch weniger arbeiten und was soll ich sagen: Mir macht die Arbeit wieder richtig Spaß, weil ich gesund bin und bleibe! Interessanterweise war die erste Frage von vielen Menschen, wie das denn mit dem Geld sei und ob das nicht zu wenig wäre bei Teilzeit. Da kann ich nur gelassen lächeln und sagen: Ich habe als Minimalistin nicht mehr allzuviele Fixkosten und bin daher nicht darauf angewiesen, tausende von Euros monatlich einzutreiben. Ein sehr angenehmer Effekt von Minimalismus!

    Liebe Grüße!

    1. Hallo Aura, herzlichen Glückwunsch zur Teilzeit und insbesondere, dass du wieder mit mehr Spaß und Gesundheit bei der Sache bist. Genau die Sache mit den Fixkosten ist ein ganz entscheidender Punkt dabei. Wenn man wegen Arbeitsüberlastung dauerhaft krank wird, hat man auch weniger Geld – aber dann u.U. noch den ganzen Abzahlungsballast des hohen Konsumstandards an den Hacken.

      1. Das stimmt, Krankenkasse zahlt nach 6 Wochen 60 % . Du kannst nicht arbeiten, aber du bekommst nichts, weil du stundenweise arbeiten könntest oder noch Aussicht auf Genesung hast.

        Wenn man sich nur zur Arbeit schleppt, das bringt ncihts. Ich hätte gerne mehr Zeit. Viel frißt auch der Arbeitsweg. Bis ich zuhause war, ist vieles schon gelaufen. Für vieles braucht man Urlaub, der eigentlich zur Erholung gedacht ist. Ich hab immer gefragt, wie schaffen es die Menschen in Länder, wo man weniger Urlaub bekommt.

        Ich hab gelernt, weniger einen Kopf und Streß zu machen. Andere können auch meine Arbeit tun. Es geht auch, wenn ich pünktlich gehe oder gar ein paar Urlaub mache. Meistens bleibt es solange liegen.

        Was mich immer ärgert. Bis man in den Urlaub gehen kann. DAs muss noch gemacht werden, sell und jenes. Bis ich zurück komme, ach war doch nicht so eilig. Manchmal war etwas ganz dringend. Dann wartetet man, halbes Jahr oder ganzes Jahr. Plötzlich fällt es wieder ein!

        Schulungen, das hatte ich seit Jahrzehnte nicht. Man wurstelt so weiter. Für mein Beruf braucht man ein Studium, das ich nicht habe. Dafür habe ich viel Wissen und Erfahrung.

        Aber frag mal, wenn das mal vorbei ist. Die aktive Berufszeit. Wer warum auch immer nicht mehr arbeitet. Die Arbeit gibt doch sehr viel. Da muss man stattdessen was finden. Nicht bei Renteneintritt, sondern vorher. Viele Kollegen, die in Rente gehen, sagen das gleiche. Sie wollen mehr auf ihre Hobbys konzentrieren. Sind Jahrzehnte in einer Partei oder Verein. Einer hat sogar eine Wetterstation, andere Wengerter. Andere geben Karateunterricht, selber den schwarzen Gürtel. Einer schraubt Autos, macht alles auch Bremsen, hat selber ein altes Auto. usw.

        Genau, da leben sie.

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