Digitaler Minimalismus auf dem Smartphone

Smartphones sind schon eine praktische Sache. Telefonieren, chatten, Emails abrufen, Fahrpläne checken, navigieren, im Internet surfen, Taschenrechner, Notizen und vieles mehr. Wirklich komfortabel, auch für mich. Aber digitaler Minimalismus auf dem Smartphone – sofern man bei einem Smartphone davon überhaupt sprechen kann –  ist trotzdem wichtig. Denn wir geben sehr viele Daten nahezu unbemerkt weiter, wir sind durch das Smartphone viel abgelenkter und wir stehen auch in Gefahr uns zu sehr von unserer normalen, analogen Umwelt abzuschotten. Ich kenne dies durchaus auch von mir, weshalb ich mir dazu einige Gedanken gemacht habe.

Die Datenweitergabe auf dem Smartphone

Gestern beim Minimalismus-Stammtisch in Essen unterhielten wir uns darüber, welche Daten wir bei der Nutzung des Smartphones – sei es mit oder ohne unsere bewusstes Wissen – täglich so unbedarft weitergeben. Auch im Zeitalter von DSGVO ist das immer noch eine ganze Menge.

Natürlich habe ich im Laufe der Zeit schon so alles mögliche an Datenweitergabe verhindert. Nicht, dass auf meinem Smartphone nun wirklich Geheimnisvolles wäre, aber Google Maps muss wirklich nicht aufzeichnen, wann ich wo war. Viele ungenutzte Apps habe ich gelöscht oder zumindestens deaktiviert. Trotzdem war ich dann doch sehr überrascht, als Blogger und Youtuber Daniel mal so eben mehrere, mit völlig unbekannte Datenweitergaben meiner Smartphone-Tastatur deaktivierte. Diese Einstellungen kannte ich noch überhaupt nicht, waren sie doch nur über das lange Drücken des Kommas auf dieser Smartphone-Tastatur überhaupt erreichbar.

Ständige Abgelenktheit und soziale Isolierung durch das Smartphone

Immer wieder wird genannt, ohne Smartphone sei man isoliert, weil man vieles nicht mitbekäme. Aber genau hingeschaut, isolieren wir uns auch mit einem Smartphone. Wer mal aufmerksam in der Stadt, in Bus oder Bahn unterwegs ist, dem fällt es auf: Der Anteil derjenigen Menschen, die mehr mit dem Smartphone, als mit ihrer unmittelbaren Umwelt beschäftigt sind, ist schon sehr hoch. Kinder rennen unbeaufsichtigt durch die U-Bahn, weil die Eltern sich statt mit den Kindern, lieber mit ihren Smartphones beschäftigen. Paare sitzen stumm nebeneinander und starren auf ihr Smartphone. Irgendwo klickt, piept und klingelt immer irgend etwas. Kinder und Jugendliche spielen stundenlang auf diesen Geräten, einige entwickeln schon suchtartiges Verhalten, sind unkonzentriert und bewegen sich viel zu wenig – eine bedenkliche Entwicklung.

Für mich war dies Anlass, mal zu schauen, wie mehr digitaler Minimalismus auf dem Smartphone aussehen kann.  Daher nachfolgend eine kleine Sammlung von Ideen:

Digitaler Minimalismus auf dem Smartphone – ein paar Tipps

  • Welche Apps sind unnötig und können gelöscht oder deaktiviert werden?
  • Deaktiviere die ständigen Benachrichtigungen auf dem Smartphone und rufe neue Infos manuell ab.
  • Lösche die Apps der Sozialen Netzwerke und nutze diese Netzwerke – wenn überhaupt – nur über den Browser. Das ist so umständlich, dass sich der Konsum von alleine reduziert.
  • Nutze unterwegs das mobile Internet nur dann, wenn du es wirklich benötigst. Schalte es ansonsten aus.
  • Lege das Smartphone zur Seite, wenn du dich mit Freunden oder der Familie triffst.
  • Beim Essen sollte das Smartphone tabu sein.
  • Im sog. Flugzeugmodus kann man die unterschiedlichsten Apps nutzen, ohne mit dem Internet verbunden und auch ohne ständig telefonisch erreichbar zu sein.
  • Gehe mal ohne Smartphone spazieren.
  • Nutze öfter eine Armbanduhr oder einen Wecker, statt Smartphone-Uhr.
  • Spezielle Tipps zu mehr Datensicherheit: Hier muss ich auf Infos aus dem Internet verweisen und empfehle mal zu recherchieren bzw. mal im Freundes- und Bekanntenkreis herum zu fragen, wer sich damit auskennt. Ich selbst weiß darüber leider immer noch viel zu wenig.

 

Digitaler Minimalismus – meine persönlichen Lösungen

Neben der Löschung diverser Apps, befinden sich auf meinem Smartphone nur noch die allerwichtigsten 12 Kontaktadressen. Alles andere ist zunächst mal im Adressbuch meines Emailprogramms im PC gespeichert. Von dort aus kann ich alle Kontaktdaten zur Sicherheit regelmäßig als PDF-Datei speichern. Außerdem gibt es noch ein kleines handschriftliches Adressbuch. Adressdaten werde ich künftig nicht mehr über das Web speichern.

Wie schon einmal beschrieben, gibt es meinen Kalender nur noch in Papierform. Für Notizen habe ich seit vielen Jahren immer ein kleines Notizbuch im Rucksack.

Auf dem Smartphone habe ich einen „Gabi“-Ordner mit 8 Apps, die ich regelmäßig nutze. Alle selten oder nie genutzen Apps sind in einem weiteren Ordner gespeichert. Ich nutze nach einigem Ausprobieren die Chatprogramme  Telegram und Signal, außerdem SMS und Telefon, sowie Email. Meine Accounts bei den Sozialen Netzwerken sind seit einigen Monaten gelöscht und es geht mir sehr gut damit.

Unterwegs brauche ich das mobile Internet nur noch selten. Daher komme ich bequem mit einem Prepaid-Paket für 4,95€ in 4 Wochen aus. Darin enthalten 100 Einheiten zum Telefonieren, einer Flat ins gleiche Netz, sowie 500 MB Datenvolumen. Das reicht mir sogar diesen Monat locker aus, wo ich viel unterwegs war.

 

Digitaler Minimalismus auf dem Smartphone heißt für mich: Ich nutze dieses praktische Gerät, aber ausgewählter und überlegter als früher. Ich will mein Leben davon nicht dominieren lassen. Einige analoge Dinge mehr zu besitzen (wie z.B. Wecker, Notizbuch, Papierkalender) bedeutet für mich weniger Ablenkung, mehr Ruhe und Gelassenheit. Das ist es mir wert.

Update Mai 2019: Mein Android-Handy ist Geschichte, der dazu gehörige G-Account ebenfalls – komplett und es geht mir gut damit. Näheres hier:  Wenn das digitale Online-Fass überläuft

10 thoughts on “Digitaler Minimalismus auf dem Smartphone

  1. Hallo Gabi,

    dein Beitrag trifft bei mir auf den Kern der Zeit, denn auch ich beschäftige mich damit und hinterfrage auch mein Nutzungsverhalten mit dem Smartphone.
    Ich kann auf diesem Wege den F-Droid Store (gibt es nicht im PlayStore sondern sollte über eine Website heruntergeladen und installiert werden) empfehlen. Hier sind die meisten Apps nicht nur Quelloffen sondern haben bzw. brauchen keine Zugriffsrechte. Dies wirkt sich nicht nur auf den Datenschutz aus sondern auch auf den Akkuverbrauch. Mein Handy hat in der Nacht im Flugmodus ganze 0% Akkuverbauch, dabei ist es eingeschaltet.
    In diesem Store finden sich auch tolle Apps, wie z.B. Maps als Alternative zu Google Maps
    und vieles mehr. Es würde jetzt hier den Rahmen sprengen und ist auch eher eine individuelle Sache, von daher bringe ich keine weiteren Beispiele in diesen Beitrag.

    P.S. Von sozialen Medien, diversen Foren und auch sonstigen Seiten habe ich mich nach und nach und bereits zum größten Teil verabschiedet. Jetzt spüre ich nicht nur mehr Leichtigkeit sondern nutze die Zeit für schönere Dinge.

    In diesem Sinne, bleib dabei und ich hoffe, dass ich Dir damit ein kleinen aber guten Tipp geben konnte.
    Solltest Du noch Fragen dazu haben, immer her damit. 🙂

    Viele Grüße,
    Viktor

  2. Gbi , Du hast ja mal geschreiben, dass Du eine Prepaidkarte hast. Wir stellen das jetzt von Vertrag auf Prepaid um. Ich habe mal durchgerechnet. 4 Handies , 5 EUR/Monat . Das sind 240€ im Jahr. Ein runder Tausender in 4 Jahren. Nur telefonieren tun wir ja praktisch gar nicht, SMS haben wir noch nie bzw. seit 10 Jahren nicht mehr genutzt. In Zeiten von Messengern reicht ein Datenvolumen und WLAN. Daher haben wir jetzt gekündigt und gehen zu einem Anbieter, der uns für 2€ /Monate 400 MB Datenvolumen gibt. Die Spracheinheit ist auch 9ct anstatt 12, wenn man mal telefonieren müsste. Das ist zwar auch ein quasi-Vertrag, aber man könnte das auch mal problemlos aussetzen und dann wieder zubuchen. Bei 4 Handies sind das dann maximal 98€/Jahr anstatt feste 240€. Ich ärgere mich einersits, dass wir das nicht schon früher gemacht haben, aber manche Dinge brauchen ihre Zeit. Es ist ja auch aufwändig, recherchieren, kündigen, Postidentität usw. usw. Bequemlichkeit wird bei Abos bestraft ! Das Geld ist weg. Der Stundenlohn für den Aufwand ist es allemal wert. Kündigen und Schluss oder wo es nicht geht alle Jahre mal preiswerter buchen.

    1. Hallo Thorsten,
      das ist ja eine phantastische Variante für euren Bedarf. Den Anbieter kenne ich sogar. Da hatte ich auch schonmal drüber nachgedacht. Bei mir selbst ist das Handy auch Ersatz fürs Festnetztelefon. Daher telefoniere ich schon ab und an. Ich habe derzeit 4,95 in 4 Wochen, also monatlich umgerechnet 5,30€ für 100 Einheiten, Flat ins eigene Netz und 500MB Internet. Festnetztelefon ist mir derzeit zu teuer wegen eines speziellen hörgerätegeeigneten Telefons (hier kämen nochmal reihenweise Tests dazu, welches davon wirklich gut ist und nicht nur laut) und zusätzlichem Telefonverstärkers, der nochmal rd 100€ kostet.

      1. Ja, man muss seinen eigenen Bedarf kennen und dann mühsam recherchieren. Festnetz ist bei unserem Internetvertrag mit drin. Wenn wir telefonieren , dann meist von da aus. Als ich noch auf Reisen war, und das Telefon beruflich absolut notwedig , war das ganz anders, da machte ein Handyvertrag Sinn. Die Situation veränderte sich über die Jahre, die Optionen bei Telefon und Internet auch. Diese Zeit sollte man sich nehmen ab und zu zu schauen. Mit ca. 5€/Monat bist Du mit „Festnetzersatz“ dennoch günstig dran.

        Mir fällt noch was ein, was ich eigentlich schon hätte schreiben wollen : Ein Handyvertrag schien für mich (nur für mich?) auch so was wie Prestige zu sein. Prepaid war vorgestellt eher etwas für finanzielle Schwächere (negative Schufa ode kein geregeltes Einkommen) oder sehr junge Leute. Man wurde mit Verträgen umworben und wird es auch heute noch. Ich weiß nicht wo diese Vorstellung letztlich herkommt, aber ich kenne noch jemanden, der auf Prepaid schwört und wo ich mich imemr gewundert hatte. Aber, es gab diese Prepaidtarife mit guten Aussattunngen fürher nicht so, meine ich. Vielleicht sind es auch Lockangebote ist meine Theorie, um einem je nach Nutzung dann was Teureres aufzuschwatzen, wenn man erst mal gewechselt hat. Am Telefon wollten sie mir gleich einen Familientarif anbieten. „Wir können Ihnen entgegenommen“, ach ja ?! Das wäre dann doppelt so teuer gewesen wie mein alter Vetrag, wenn auch evtl. mit besseren Leistungen, aber die wollen wir gar nicht. wir wollen niedrige monatliche Fixkosten, die zu unserem Bedarf passen.
        Alles gut. Fixkosten runter ! Ich staune, dass mir nach Jahren immer noch was einfällt.

        1. Es gab Zeiten, wo Prepaid ohne Handyvertrag und Festnetzanschluss oft bedeutete, dass jemand Rechnungen nicht bezshlt hatte, in der Schufa stand etc. Vielleicht kommt daher der negative Beigeschmack von Prepaid. Mit Prepaid ist man flexibler, weshalb ich es bevorzuge.

  3. Minimalismus auf dem Smartphone ist einmal ein Ansatz, über den ich nachdenken sollte. Denn tatsächlich bin ich ziemlich iPhone-affin.
    Ich habe die Benachrichtigungen ausgeschaltet, weil mich das Gepiepe auf die Nerven geht und beim Arbeiten liegt das Teil in einem anderen Raum.
    Soziale Netzwerke sollte man nicht über die entsprechenden Apps nutzen. Diesen Punkt werde ich als nächstes angehen.
    LG Sabienes

  4. Privat habe ich nur ein Handy, also so einen Telefonknochen ohne Internet. Dienatlic habe ich ein Smartphone. Da ist es schon manchmal eine praktische Sache. Nutzen tu ich es aber fast nur als Fotoapparat und als Telefon. Datenweitergabe? Hm. Müsste ich mich mal damit befassen. Die Ortung ist abgeschaltet, das weiß ich. Aber sonst?
    Ist ne gute Anregung. Danke!

    1. Hallo Sibylle, leider finde ich diesen ganzen Bereich recht unübersichtlich und kompliziert. Eine Internetseite, wo mal alles möglichst einfach zusammengefasst steht, habe ich nicht gefunden. Aber eine einfache Möglichkeit ist, dass man z.B. in Google Maps mal die Aufzeichnung der Zeitleiste deaktiviert – es gibt dazu ein Punkt im Menü. Und in den Einstellungen – Apps mal durchschaut, auf welche Apps man gut verzichten kann. Eine ganze Reihe von Apps ließ sich bei mir bequem deaktivieren. Seither läuft mein Smartphone interessanterweise auch viel schneller.

  5. Leider kann man viele Apps gar nicht löschen , nur vom Bildschirm verbannen. Google hat deswegen Ärger bekommen.

    1. Nicht löschbare Apps: Das ist in der Tat blöd und geht mir ziemlich auf den Keks. Bei Android konnte ich einige Apps unter Einstellungen/Apps zumindestens deaktivieren. Der Rest, der nicht oder nur selten genutzten Apps ist dann halt alles in einem einzigen Ordner. Dann sehe ich sie wenigstens nicht ständig.

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