Perfekter Minimalismus

Seit einiger Zeit kann man den Eindruck gewinnen, dass Minimalismus nicht nur das Leben mit weniger Dingen bedeutet, sondern dass diese Dinge auch möglichst nett und schick arrangiert sein sollten. Endlose entsprechende Fotos und Videos sind im Netz zu finden. Dort sehe ich dann helle, lichtdurchflutete Räume. An Farben dominieren weiß, sandfarben bzw. beige, grau, dazu Holz, dazwischen ein paar Grünpflanzen. Die schicken Vorratsgläser auf dem Küchenregal sehen wirklich super gut aus. Alles ist nett arrangiert und irgendwie so perfekt. Mich spricht diese schöne Optik ja durchaus an. Bei mir ist es aber trotzdem nicht so.

Bei mir gibts unterschiedliche Vorratsbehälter, diese befinden sich auch nie schick arrangiert auf irgendeinem Holzregal, sondern im Küchenschrank. Dort ist es sortiert, aber perfekt gestylt ist es nicht.

Mir sind andere Sachen wichtiger. In der Küche habe ich lieber möglichst viel freie Flächen. Darauf lässt sich besser arbeiten. Irgendwann setzt sich außerdem immer diese unselige Mischung aus Staub und Fett auf den umherstehenden Dingen ab. Gruselig zu säubern. Ich habe es aber gerne praktisch und funktional. Zuviel Durcheinander bei Vorratsbehältern mag ich auch nicht, dann würde es zu unübersichtlich, aber solche Behälter erfüllen vorrangig eine Funktion und sind keine Deko für mich. Statt einer endlosen Menge schicker Gewürzdöschen in einem ebenso schicken Regal oder Schublade hübsch arrangiert, kaufe ich lieber frische, hochwertigere Lebensmittel. Die haben genügend Geschmack und Aroma, so dass ich sparsam würzen kann und mir diese ganze Deko-Gewürzdöschen-Galerie einfach erspare.

Business-Minimalismus

Warum gibts überhaupt so viele Beiträge und Videos, in denen über Minimalismus gesprochen und dann der perfekt inszenierte Deko-Minimalismus gezeigt wird? Vielleicht liegts auch daran, dass manche Menschen mit dieser Art Lifestyle-Minimalismus einfach ihren Lebensunterhalt verdienen. Solo-Selbständigkeit ist schwierig genug. Ich habe in den zurück liegenden Jahren viele Solo-Selbständige kennen gelernt und weiß, dass dies bei weitem nicht so schön und einfach ist, wie es nach außen hin gelegentlich präsentiert wird. Solo-Selbständigkeit ist harte Arbeit. Kein bezahlter Urlaub, unregelmäßige Einnahmen, Versicherungen müssen zu 100% selbst getragen werden, usw. Wer Reichweite auf den sozialen Medien erzielen will, muss sich an die Algorithmen anpassen und braucht hohe Followerzahlen. Also wird der minimalistische Lifestyle perfektioniert und sich angepasst, damit man für Follower und Kooperationspartner (= Werbepartner) interessant ist und bleibt, um zu den nötigen Geldeinnahmen zu kommen. Was man z.B. mit Youtube und den Kooperationspartnern so verdienen kann, dazu HIER ein selten offenes und aufschlussreiches Video.

Die Freiheit der Unperfektheit

Wer ein Business betreibt, wird natürlich entsprechend alles dafür tun, damit es schön und ansprechend aussieht. Im gewöhnlichen Alltags-Minimalismus kann man es natürlich auch so perfekt betreiben, muss es aber nicht. Man macht es ja nicht für andere Personen und Kooperationen, sondern für sich selbst. Das ist der entscheidende Unterschied. Minimalismus ist einfach nur das Leben mit weniger Dingen. Minimalismus als Design, Minimalismus als Business ist was anderes. Das, was man im „normalen“ Alltags-Minimalismus benötigt oder besonders mag, darf bleiben, der Rest kann gehen. Da darf es dann natürlich entsprechend auch völlig unperfekt sein. Hauptsache, es passt ins eigene Leben.

Für mich heißt das: Ich werde mich also weiterhin hier oder da mal am hübschen Design, an der stilvollen Minimalismus-Deko erfreuen, aber nur, indem ich mir das mal anschaue. Vielleicht sind ja sogar mal einige wirklich individuelle Lösungen oder andere Farben dabei.  In meinem Alltag lebe ich Minimalismus anders, dort genieße ich lieber die Freiheit der Unperfektheit.

 

65 thoughts on “Perfekter Minimalismus

  1. Hallo Gabi, ich finde deinen Minimalismus-Blog super, und sehe es genau wie du:
    Minimalismus bedeutet nicht , dass die Wohnung durchgestylt ist und dass ich mir 20 zusammen passende Vorratsgläser kaufe…. sondern hat mit Nachhaltigkeit zu tun.
    Seit ca. 10 Jahren entwickle ich mich zum Minimalismus hin und bin immer mehr der Meinung:
    Ausmisten ist nicht die Lösung. Die Sachen dürfen gar nicht erst rein! Also kauf ich nix (ok, fast nichts), benutze, was ich habe und spare dadurch viel Geld. Einheitlich und durchgestylt sieht es bei mir aber nicht aus.
    Bei mir stehen auch noch viele Sachen, die ich seit 20, 30 oder 80 Jahren habe (Erbstücke, also z.B. ein alter Schrank). Bei dir, liebe Gabi, ist es so leer. Hast du tatsächlich alles weggegeben, was du mal hattest? Da würde mir das Herz bluten…. aber ganz so leer brauche ich es auch nicht.

    1. Hallo Martina, was Möbel angeht, war es bei mir schon immer ein wenig improvisiert. In der ersten eigenen Wohnung waren zunächst viele alte und einfache, gebrauchte Möbel, die sind irgendwann schlichtweg auseinander gefallen. Dann hatte ich häufig Regale, also nichts nennenswertes. Manches Mobiliar mochte ich einfach auch nicht, beispielsweise typische Kleiderschränke und Sofas. Das habe ich lange Jahre nicht begriffen, erst durch Minimalismus sind mir meine Bedürfnisse in dieser Richtung klarer geworden.

      Die Leere bei mir ist sicherlich schon etwas ungewöhnlich. Ich sehe das auch nicht unbedingt als einen Standard bezüglich Minimalismus an. Das wäre völliger Quatsch. Ich brauche es so, alles andere macht mich kirre.

  2. Ich hatte eine Küche in Betonoptik kritisiert. Eigene Meinungen wären nicht erwünscht, schrieb mir die Dame auf Instagram zu ihrem Friedhofsstyle. Dann hab ich mich da abgemeldet. Der Let’s Bastel Micha hat stundenlag den Rollkoffer vorm Müll gerettet und im Nachspann steigt er damit in den Flieger. Kurzstrecke. Kann die Leute nicht ernst nehmen. Klickt sich aber gut das Thema Nachhaltigkeit.

    1. Friedhofstyle 🤣
      Klingt irgendwie so, als habe die Dame möglicherweise nicht nur Beton in ihrer Küche… Eigene Meinungen nicht erwünscht, was soll den sowas?

      Diese Kofferstory ist irgendwie auch so typisch für das, was teilweise im Netz so an Widersprüchlichkeiten läuft.

      1. Jonas Winkler, den ich sehr schätze – nicht nur wegen seiner Hundeliebe – ist Schreinermeister ohne Schreiner. Hat 3 Autos. Eins steht nur rum, sagt er. Es geht ja auch um die Produktion. Sein Shop komplett auf Nachhaltigkeit gemacht. Gerade Leute mit kleinen Kindern. Da verstehe ich es nicht.

        Diese Sacha Schneider, „Die Aufräumerin“ ARD Mediathek hat mir gut gefallen. Sie spendet die ausgemisteten Dinge in Deutschland, wo sie gebraucht werden an Organisationen. Als Stewardess verteilt sie die Sachen gleich in den Slums. Ihr Marie Kondo Gedöns mit Falten und Schachteln ist nicht meins. Und sich privat so ein Druckgerät zum Beschriften zu kaufen, da bin ich noch weit von entfernt.

        Ich hab gerade meine Stiltöpfe durch Milchtöpfe ersetzt. Wegen Unfallgefahr. Das Argument hatten wir hier noch gar nicht als Optimierunggrund. Ist bei mir aber wirklich seit Jahren ein Thema. Optik spielte auch rein. Also manchmal kauf ich mir auch was, auch wenn das Alte noch ginge.

        1. Die meisten Unfälle passieren bekanntlich im Haushalt – das ist natürlich auch ein Aspekt. Bei mir hat es sich sowas durch Minimalismus deutlich reduziert. Früher ging häufiger Geschirr zu Bruch.

    2. Das zeigt das Problem : wer es perfekt inszeniert lässt keinen Spielraum mehr, weder für sich noch für andere. Unfreiheit durch Zwang zum Perfektsein. Eine Gefahr für manche oder Teil des Geschäftssmodells. Insbesondere , wenn die jahrelang gezeigte Wohnung gar nicht wirklich bewohnt wird, sondern nur Kulisse für YouTube ist.

        1. Ja, aber Instagram ist Einhorn mit Wohlfühlpflicht, ja nichts Negatives. Zum Glück kann ich damit gar nichts anfangen 😉 Wenn sich alle einig sind ( dass es immer und überall so supertoll ist) , dann ist es wahrscheinlich eine Lüge.

  3. Oh ja. Dazu habe ich auch vor einer Weile geschrieben. Ich nannte es den „Pseudo-Minimalismus“. In einem System, das auf wirtschaftlichem Wachstum basiert, wird letztendlich alles „kapitalisiert“. Insofern wundert mich die Entwicklung nicht. Ähnlich es ist es in der spirituellen Achtsamkeitsszene, wo eine gewisse Frau Seiler mittlerweile Milliarden verdient, schick fliegt von einem zum anderen Ort. Das ist ja auch alles andere als nachhaltig, umweltbewusst oder „spirituell“ – von „achtsam“ brauchen wir da gar nicht anfangen.

    1. Ich musste gerade erst mal die Suchmaschine anwerfen, um zu schauen, wer diese Frau ist… Ich finde nicht mal ernsthaft eine Information, was diese Frau gelernt hat. Mal abgesehen von ein paar Kursen, die sie wohl besucht hat. Sowas ist aber üblicherweise eine Zusatzausbildung.
      Oh je… ich finde es total gruselig, was stellenweise unter dem Begriff Achtsamkeit angeboten wird.

  4. Was mich in den Videos massiv stört ist die Einstellung zu Pflanzen. Da wird von Platz in der Wohnung geredet und sich dabei mit Pflanzen zugestellt.
    Da geht es um Thema Nachhaltigkeit, Klima-, Umwelt- und Tierschutz, vegan/vegetarisch, aber Pflanzen in Wohnungen einzusperren, ihnen Sonnenlicht, frische Luft, Wetter und besonders die Nacht und damit ihre Regenerationszeit zu verweigen, statt dessen mutet man ihnen Kunstlicht zu, das geht in Ordnung.
    Oder es stehen Schnittblumen auf dem Tisch.
    Finde das Thema Pflanzen in Wohnungen sollte die Minimalistenszene neu überdenken.

    1. Mit diesem Thema rennst du bei mir offene Türen ein. Allergiker müssen dann auch noch aufpassen, dass die Blumenerde nicht schimmelt.

      1. Schimmelige Blumenerde ist schlimm. Die Düngemittel, die kleinen Fliegen genauso. Dazu dieser gammelige Geruch. Puh.

        Auf der Arbeit hatte ich mich geweigert, die Büropflanzen zu gießen.
        Je nach Dienst ist man automatisch dafür zuständig.
        Wer die Pflanzen haben will, soll sich drum kümmern, doch mir das nicht aufdrängen. Das ergab viele Diskussionen und ich habe immer wieder klar gemacht, dass ich Pflanzenquälerei nicht unterstütze.
        Es fand ein Umdenken statt. Es stehen viel weniger Pflanzen im Büro rum, in der Saison dürfen einige auf meinen Vorschlag hin sogar nun nach draußen.
        Das ewige Nachkaufen, wenn mal wieder eine eingegangen ist wurde weitgehend abgeschafft.
        Schnittblumen gibt es gar nicht mehr.

    2. Ich fühle mich ertappt, bin pflanzensüchtig. Aber … meine Pflanzen kommen im Sommer raus, sobald kein Frost mehr zu erwarten ist. Kunstlicht benutze ich nicht mehr, schon wegen der Stromkosten und dem ganzen Gedöhns nebst Lichtverschmutzung .

      1. Mit Kunstlicht meinte ich die normale Abendbeleuchtung in der Wohnung.

        Ansonsten jedem das Seine. Es ging mir vorangig um die Doppelmoral in manchen Videos.

        1. Verstehe.
          So was wie „veganes Gericht“, das dann aber zum Schmoren in Alufolie gewickelt wird 😮

    3. So habe ich das mit Zimmerpflanzen tatsächlich noch nie gesehen. Früher war ich auch weniger der Pflanzentyp und ich kann deine Kritikpunkte völlig verstehen. Seitdem ich Joyful gelesen habe, hat sich meine Perspektive allerdings auch ein wenig geändert, denn Pflanzen tragen in meinen Augen schon wesentlich zum Raumklima und zum Wohlbefinden in Räumen bei. Evolutionär betrachtet liegt es uns Menschen nicht, den ganzen Tag drinnen zu sein. Insofern reduzieren Pflanzen den Stresspegel – insbesondere in Büros.

      Gerade befinde ich mich in Osttirol und hier werden auf Berghütten auch keine Zimmerpflanzen gehalten. Allerdings ist man hier auch unmittelbar von Natur umgeben – anders als in Großstädten. Mein Lösungsansatz wäre also, wieder mehr in und mit der Natur zu leben und auch in Großstädten stets von Pflanzen umgeben zu sein. 🙂

      1. Mehr in und mit der Natur – ja, das ist wirklich ein guter Aspekt. Ok und wenn ich mir jetzt so vorstelle, ich wohne in einer Art Betonwüste – nur Häuser, kein Grün, tja, wer weiß, ob ich mir da nicht doch irgendwann auch eine Pflanze besorgen würde… Ich wohne zwar in der Innenstadt, wir haben aber einen sehr schönen begrünten Innenhof, ein Park in der Nähe, 3 U-Bahn-Haltestellen entfernt ein Wald/Naturschutzgebiet. Für Citylage im Ruhrgebiet ist das schon eine gute Sache.

  5. Hallo Gabi,

    dein Artikel trifft auch bei mir einen Nerv. Mir fehlt bei diesen durchgestylten Wohnungen einfach der Aspekt der Nachhaltigkeit. Etwas so lange zu gebrauchen bis es kaputt ist und es dann durch einen hochwertigen, neuen Gegenstand zu ersetzen, ist für mich ein wichtiger Gedanke des Minimalismus. Das hat natürlich zur Folge, dass Handtücher, Bettwäsche oder auch Kleidung nicht immer perfekt zusammen passen, aber eben ihren Zweck erfüllen. Gleichzeitig sind die oft billig eingekauften, hippen Produkte dann auch schnell wieder aus der Mode und müssen dann wieder weichen…
    Ich wünsche dir weiterhin gute Besserung und danke dir, dass du deine Gedanken mit uns teilst.

    Ganz liebe Grüße

    Inga

  6. Ich mag das Unperfekte in allem, was ich tue. Natürlich gibt es auch Dinge, die man genau machen muss, aber das Perfekte gibt es sowieso nicht und wenn, dann ist es oft nur vorgetäuscht.
    Wir versuchen alles so lange zu nutzen, bis es wirklich nicht mehr geht, und dann sieht man auch die Gebrauchsspuren, so ist das eben. Für uns ist Funktionalität wichtiger als perfektes Aussehen, Minimalismus hat für mich sehr wenig mit Aussehen zu tun, das ist für mich eher eine Kopfsache, eine Einstellungssache eben.
    Liebe Grüße Tom

  7. Hach, was für ein schöner Artikel!
    Zu den Gewürzen; ich habe auch recht viele und tatsächlich auch in Gebrauch, da ich immer nachkaufe… die stehen bei mir in den Originalbehältern quer durcheinander in einem kleinen Regal, das ich unter die Arbeitsplatte schieben kann. Gewürze soll man eher dunkel aufbewahren, damit sie den Geschmack nicht verlieren. Offene Regale mit Klarglasgläsern sind völlig kontraproduktiv!

  8. Viel schlimmer finde ich ,daß die Minimalisten uns zeigen wollen , daß sie für Konsum nichts übrig haben aber dann uns ihre Kooperation vorstellen..das passt nicht zusammen auch wenn sie meinen Geld damit verdienen zu müssen.
    Ganz ehrlich gesagt sind das für mich keine Minimalisten…

    1. Ja, das ist oft nervig und widersprüchlich. Instagram, Facebook, Youtube und Co – das läuft alles über Werbung mit der dann vieles finanziert und Geld verdient wird. Früher in den 70gern war es die Werbung im TV, wie z.B. Tante Tilly mit Palmolive oder Clementine mit ihrer Waschmaschine, (für die es bis 60 Grad nix besseres als Ariel gibt). Das haben wir uns notgedrungen reingezogen, um dann im ZDF die paar Sekunden Mainzelmännchen sehen zu können. Im hessischen Fernsehen war das Onkel Otto.
      Tja und heute heisst das Spülizeugs Everdrop. Statt gepflegter Tante-Tilly-Spüli-Hände, die gepflegte Kleidung von Armed Angel. Den Mainzelmännchen-Job haben dann sozusagen die Influencer mit ihren Beiträgen…

    2. Ja, da wird alles gespart und Standby bekämpft und dann steht plötzlich das beworbene Möbel mit Netzanschluss im Raum, das sich auf Knopfdruck in verschiedene Höhen fahren lässt. Ich krieg die Krise.

  9. Die immer perfekt aufgeräumten und durchgestylten Räume von Minimalisten im Netz gehen völlig an der Wirklichkeit vorbei. Als wenn es keine unordentlichen Minimalisten gäbe. Selbst bei einem „Hundert-Sachen-Minimalist“ kann es aussehen wie in einem Saustall, weil auf dem Boden schmutzige Wäsche liegt, kein einziger Stuhl frei ist und auf dem Tisch das Geschirr mit drei Wochen alten Essensresten steht. Im Normalfall wird aber auch bei ordnungsliebenden Minimalisten das Alltagsleben sichtbar sein. Ein Paar Handschuhe auf der Anrichte im Flur, benutze Gläser in der Spüle, Strickzeug und Notizblock auf dem Couchtisch und ein Bügelbrett aufgeräumt, aber wenig attraktiv im Schlafzimmer geparkt. Und mit Kindern wird es erst recht bunt und lebendig. Wer hat schon mal Fotos von minimalistisch durchgestylten Räumen gesehen, in denen Familien mit Kindern leben? Ich nicht.

    1. Kinder bringen definitiv Realität ins Leben. Kleine Kinder sammeln für ihr Leben gerne irgendwelches Zeugs. Und sind die Kinder dann in der Pubertät, machen sie auch gerne mal das komplette Gegenteil von dem, was den Eltern wichtig ist.

    2. Es gibt in der Zwischenzeit den Hashtag #realhomes oder #realhomesofinstagram, da kommt ein bisschen Normalität in den Feed. Finde ich eine erfrischende kleine „Gegenbewegung“. Ich glaube, viele Leute haben die Schnauze voll vom perfekt durchgestylten „sad beige“.

      Mich persönlich nerven immer die „absichtlich ordentlich unordentlich“ drapierten Plaids und Zierdecken, oder wenn plötzlich vor dem Sofa am Fußboden Zierpölster herumliegen. Oder brennende Kerzen auf einem Stapel Designerbücher auf dem Couchtisch. Wer macht denn sowas? Mein Highlight auf Instagram war eine schwere Bodenvase mit Staubfänger-Gedöns, welche genau vor den Eckunterschrank einer Küchenzeile drapiert worden war. Diese lebens- und weltfremde Inszenierung nervt.

      PS: Ich mag Deine Seite, Gabi, habe schon öfters vorbei geschaut, auch wenn ich weeeeiiit entfernt davon bin, ein Minimalist zu sein. Heute habe ich zum ersten Mal kommentiert 🙂

      1. Dieser Hashtag klingt ja schon mal ermutigend. Schließlich geht es doch nicht darum, sich das Leben mit Minimalismus komplizierter zu machen. Also selbst wenn diese Bodenvase mit Staubfänger-Gedöns tatsächlich dauerhaft in dieser Ecke steht und ab und an vielleicht doch mal irgendwas aus dem Eckunterschrank benötigt wird: Wie verrückt ist das denn?
        Auch dir danke fürs Kommentieren, das macht die Webseite hier ja auch sehr vielfältig.

  10. Hallo Gabi
    Ich finde, daß es im Netz nur um Klicks geht und ich habe das Gefühl , daß es sich um ein „Wettbewerb “ handelt wer den besten Minimalismus lebt…ganz ehrlich finde ich es sehr erschreckend, daß Minimalismus als Trend angesehen werden soll,so wie es die Medien immer wieder erwähnen..
    So wie du eingerichtet bist, gefällt es mir am besten so ähnlich leben wir auch…bleib gesund und liebe grüße

    1. Der Vorteil an einem Trend ist: Irgendwann ist dieser Trend vorbei. Dann rümpeln sich viele wieder total zu und wir leben gemütlich minimalistisch weiter.

        1. Wie ging noch mal der Spruch mit Unendlichkeit und menschlicher Dummheit und so? Seit dem ersten Artikel lese ich echt alles in diesem Blog, bin bestimmt kein doller Minimalist….aber finds toll und so schön sinnvoll und stimmig! Und dann sowas da….man beachte die Erklärung was Minimalismus ist der in diesem Artikel steht. Lange nicht mehr so gelacht….was besser ist als voll Grausen den Kopf zu schütteln!

          1. Da wird Minimalismus als Design und Minimalismus als Lebensstil in einen Pott geworfen. Hm, schlecht recherchiert würde ich sagen.

  11. Ach ja, da sind wir wieder bei meinem Satz „ich kaufe mir keinen Minimalismus, ich lebe Minimalismus“
    Es langweilt echt, dass es immer noch dieses perfekt durchgestylte in den Videos und Magazinen gibt, was für Minimalismus verkauft wird. Ich schau sowas nicht. Da ist nix bei was mich inspirieren würde. Ich mag echte Minimalisten, die ihre kleinen Einblicke zeigen, von reduziert und altem vorhandenem zu neuem Glanz verhelfendem Stücken. Da kann man sich Inspiration holen. Da sieht man was man alles machen kann mit dem was man hat. Nix ich kauf mir alles passend zusammen und sag da dann minimalistisch zu.
    Ich denk aber, es wird nie aufhören, dass es so durch die INetLandschaft getrieben wird, solang diejenigen da Geld mit machen können.
    Wünsche dir einen schönen Sonntag!

    1. Dein Satz vom gekauften Minimalismus ist einfach wunderbar. Letztlich ist ja auch nur wichtig, es selbst einfach anders zu machen.

  12. Der Begriff MInimalismus wird wirklich im letzter Zeit überstrapaziert. Neulich kam in Fernsehen ein Beitrag (ich habe nur noch den Schluss gesehen) bei dem gesagt wurde, dass es zwar hart, aber möglich ist mit einem minimalistischen Badezimmer zu leben. Die Dame hatte jetzt nur noch ein! Haarschampoo auf dem Wannenrand stehen und die anderen zig Shampooflaschen entsorgt. Nun hätte sie zwar ihre geliebte Auswahl an duftenden Flaschen mehr, aber minimalistisch ist das Bad viel schöner.
    Hm. Das Leben kann schon hart sein mit Minimalismus….

    1. Ich bin kein Minimalist sondern lebe nur maßvoll, habe aber mein ganzes Leben lang immer nur eine Shampooflasche in Gebrauch gehabt. Die nächste Flasche wurde erst gekauft, wenn die angebrochene fast leer war. Das zeigt mal wieder, für was der Begriff Minimalismus in den Mainstreammedien ge- oder missbraucht wird.

      1. Vermutlich ist für dich mit jeweils einer Shampooflasche gleichzeitig auch nicht die Welt untergegangen und die Idee, du könntest eine Extrem-Shampoo-Minimalistin sein, kam dir vermutlich auch noch nicht in den Sinn.

    2. Sowas ist ja wirklich schräg. Ich kann zum einen kaum verstehen, was man mit zig Shampooflaschen macht. Ebenso gut, kann man die eine Duftflasche aufbrauchen und dann die nächste kaufen. Zum anderen finde ich es noch abgedrehter, diese Duftshampoo-Orgie zu entsorgen, damit das Bad minimalistisch schön aussieht.

  13. Minimalismus ist halt auch eine Kommerzmasche geworden. Und die Leute wollen vielleicht auch teilweise reintappen. Bisheriges entsorgen und neu kaufen macht gute Gefühle. So nach dem Motto: man gönnt sich was und es ist sogar minimalistisch, also win win. Nichts kaufen ist gar nicht so einfach, weil man überall dazu verführt wird.

    Mich erinnert das an die Leute, die aus Umweltgründen ihre noch funktionierende Tupperdosensammlung komplett entsorgen, weil es irgendwo schöne „umweltfreundliche“ Glasdosen zu kaufen gibt und man kein Plastik mehr nutzen will. Oder die Leute, die ihre minimalistisch reduzierten Gebrauchsgegenstände in so perfekt passende Schachtel- und Ordnersysteme einordnen (die sie natürlich neu gekauft haben, damit alles zu einander passt).
    Aus dem Kaufkreislauf raus zu kommen, zu einem nichtkommerziellen Minimalismus, ist vermutlich gar nicht so einfach, vor allem wenn man bei Social Media unterwegs ist.

    Ich bekenne mich übrigens zu einer sehr umfangreichen Gewürzschublade, ganz unminimalistisch, alle in unterschiedlichen Dosen/Gläsern. Hab sehr viel Spaß dran beim Kochen jeden Tag, und wenn die Schublade zu ist, stört es keinen. 🙂

    1. Ich bin ja der Meinung, dass weggeworfenes Plastik die mit Abstand schlechteste Lösung ist. Verschenktes Plastik ist eine Verlagerung des Problems, es sei denn, man hat es wirklich zu viel. Tja, nicht alles, was schön aus sieht, ist es bei näherer Betrachtung auch.

    2. „Ordnungssystem kaufen“ ist für mich der Beweis, dass es sich nicht um Minimalismus handelt. Das Vollgemüllte wird nur gestapelt und rechtwinkelig zusammengesteckt, damit noch mehr reinpasst. Wenn dann mit Dekozeug beschriftet wird oder Kristalle, Bänder oder Flitter zum Verschönern der Ordnungssysteme verwendet wird dann handelt es sich um das Thema Inneneinrichtung oder DIY. Nachhaltig ist das Getöse mit Lack, Kleber, Flitter sicher auch nicht.

  14. Liebe Gabi, erstmal hoffe ich es geht dir etwas besser !? Zum Thema- es gibt natürlich verschiedene Auffassungen von Minimalismus. Das alles so einheitlich und perfekt sein muss ist nicht meins. Ich finde gerade das unperfekte sehr schön. Wenn man wirklich minimalistisch lebt, dann hat man auch ältere Möbel und sicher keine perfekte Garnitur Gewürzdosen oder Vorratsgläser oder was auch immer. Trotzdem kann man das doch auch schön herrichten. Genauso wie mit einer Gardrobe die fast ausschließlich aus älteren, liebevoll gepflegten Teilen besteht. Überhaupt finde ich es Blödsinn alles auszutauschen um einen vermeintlichen Minimalismus Ideal zu entsprechen.

    1. Hallo Martina Nds, besser: Sagen wir so: Ich arbeite dran. Es geht noch lange nicht so, wie ich es gerne hätte, aber so ein Longcovid-Dingsbums braucht eben seine Zeit. Sowas geht nur mit Geduld und Hartnäckigkeit, beides habe ich zum Glück. 💪

  15. Wenn´s zu perfekt ist, wird es auch schnell langweilig. Dann weiß man am Ende gar nicht mehr, ob man nun einen Möbelhauskatalog vor sich hat oder ob da tatsächlich jemand lebt. Ich mag es lieber, wenn es nach Leben aussieht. Dazu braucht es auch keine große Deko.
    Und wenn man sieht, was die ganze Ausstattung kostet, wird mir auch immer ganz schummrig. Da tun es Gläschen, die man sonst als Altglas entsorgt, völlig. Und wenn man etwas Geduld aufbringt, hat man irgendwann auch genug von einer Sorte und es sieht sogar ganz nett aus.

    1. Solche Sammelgläser habe ich auch einige. Die sind wirklich praktisch und sehen auch schön aus. Wohnen im Möbelhauskatalog … oh je, aber manchmal hat es wirklich was davon.

    2. Wir haben Marmeladengläser und schlanke, höhere, in denen Kirschen, Pflaumen oder Apfelmus war. Die liegen wirklich besser in der Hand als manche tonnenschwere Glasfässer mit Gummiring. Das einzige Problem ist das begrenzte Volumen. Müsli füllen wir da nicht ein, eher Bulgur, rote Linsen. Die 500g- Packungen passen da rein ( wenn man nicht unverpackt kaufen kann oder mag ).
      Also schön ist das nicht, aber es funktioniert. Warum sollte es auch schön sein ? Die Gläser stehen unsichtbar im Küchenschrank und nicht offen.

      1. Wird dann mal viel Volumen benötigt, werden Gläser auch wirklich schwer. Und wenn die dann im dünnen Pappmobiliar vom Möbelelch verstaut werden, hat man irgendwann unfreiwilligen Polterabend. Wobei: Man könnte ein „Minimalismus in der Küche“ daraus machen. 🤣

        1. Das Glas könnte schwerer als der Inhalt sein. Spart das das Fitnessstudio oder ist das eine Unfallgefahr ? Ich habe deshalb nur die schlanken Apfelmus/Kirsch-gläser und ggfls. Marmeladenglässr. Die kann ich mit einer Hand sicher greifen.

  16. Liebe Gabi, ja, so empfinde ich das auch. Und daher macht das Schauen solcher Videos auch gar keinen Spaß mehr und man bekommt null Inspiration davon. Da niemand von Haus aus perfekt eingerichtet ist, kann das nur bedeuten, dass – ganz unminimalistisch – diese Leute eigentlich ihren kompletten Hausstand inkl. aller Möbel, Deko, Geschirr einmal zu 100% ausgetauscht haben, solange, bis es dann „perfekt“ in den Einheitsbrei gepasst hat. Was daran Minimalismus und nachhaltig sein soll? Wenn man damit startet und erstmal alles dazu kaufen muss und eben diesen Verführungen nachgibt, die man doch eigentlich zu vermeiden sucht? Ich sehe hier auch sehr viele Wohnungen, die sehr teuer und hochwertig mit Möbeln und Technik ausgestattet sind. Dies bestätigt doch wieder nur das oft gebrachte Argument, dass Minimalismus nur was für Reiche sei. Ist es nicht, aber es erweckt im Internet den Anschein… liebe Grüße!

  17. Schöne Artikelidee, wahre Worte, liebe Gabi!

    Mich wundern solche Fotos auch immer, die man ja nicht nur im Kontext minimalistisch eingerichteter Wohnungen, sondern zum Beispiel auch beim Lesen von Magazinen zu Gesicht bekommt. Ich frage mich dann immer: Lebt da niemand? Kochen die nie? Wo schlafen die, doch nicht in diesem klinisch sauberen Schlafzimmer?

    Ich habe mir mal dieses Zitat gemerkt, das ganz gut passt: „Freiheit – Dispens von aller Perfektion.“ Nur wer es gesagt hat, kann ich mir nicht merken und muss ich immer nachschauen: Thom Renzie

    Viele Grüße aus Franken

    Christof

    1. „Lebt da niemand?“ – Wunderbar! 🤣
      Das Zitat gefällt mir. Freiheit ist für mich ein wichtiger Aspekt.

Comments are closed.